Die Geschichte des Hockey Club Davos führt vom Natureis zum Schweizer Rekordmeister, von frühen internationalen Begegnungen zu einem weltweit bekannten Weihnachtsturnier. Seit seiner Gründung 1921 hat der HCD das Schweizer Eishockey mitgeprägt – mit grossen Mannschaften, aussergewöhnlichen Persönlichkeiten und einer Vereinsgeschichte, zu der auch Abstiege und schwierige Neuanfänge gehören.
Untrennbar damit verbunden ist der Spengler Cup. Das 1923 ins Leben gerufene Turnier brachte internationale Gegner nach Davos und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Identität des Clubs und des Wintersportorts.
Dieser Rückblick erzählt von den Anfängen, den dominierenden Meistermannschaften, dem tiefen Fall und dem Wiederaufstieg, der Ära Arno Del Curto und dem Wandel des Eisstadions zur heutigen VAT Arena.
Read this article in English: The History of HC Davos
Die Anfänge: Vom Schüler- und Gästehockey zum HC Davos
Die Vorgeschichte des HC Davos reicht bis ins Jahr 1918 zurück. Damals initiierte Dr. Kurt Wüest einen Schüler- und Gästeclub. Gespielt wurde auf einem offenen Eisfeld am Standort des heutigen Stadions. Zehn Zentimeter hohe Holzbegrenzungen markierten das Spielfeld; die Zuschauer sassen unmittelbar dahinter.
1921 wurde der Hockey Club Davos gegründet. Damit erhielt der junge Eishockeysport im Ort eine dauerhafte organisatorische Grundlage. Aus den frühen Begegnungen von Schülern und Gästen entwickelte sich ein Verein, der schon wenige Jahre später über die Landesgrenzen hinaus Kontakte knüpfte.
Im Januar 1923 trafen die Davoser auf Mannschaften wie Cambridge University, Sexton’s All English Team und das British Army Team. Diese internationalen Begegnungen boten Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und sich mit anderen Spielweisen auseinanderzusetzen.
Noch stand der Club am Anfang seiner Entwicklung. Doch die Verbindung von lokalem Vereinsleben und internationalem Austausch war bereits angelegt – eine Verbindung, die mit dem Spengler Cup bald eine feste Form erhalten sollte.
1923: Der Spengler Cup entsteht – Eishockey als internationale Begegnung
Zu Weihnachten 1923 stiftete der Davoser Arzt Carl Spengler einen Wanderpokal. Er wollte damit den jungen HC Davos unterstützen und zugleich einen Austausch zwischen Nationen ermöglichen, die sich im Ersten Weltkrieg noch feindlich gegenübergestanden hatten. Sportliche Begegnungen sollten helfen, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis wieder aufzubauen.
Das Turnier trug zunächst den Namen «Internationale Eishockey-Meisterschaft von Davos». Die erste Partie bestritten Oxford University und der Berliner SC; Oxford gewann mit 7:3. Neben diesen Mannschaften gehörten der Wiener EV und der HC Davos zum ursprünglichen Teilnehmerfeld. Anfang Januar 1924 kam Cambridge University hinzu.
Oxford gewann sämtliche eigenen Begegnungen und wurde erster Turniersieger. Der HCD stand damit von Beginn an internationalen Gegnern gegenüber, an denen er sich sportlich messen konnte.
Für Davos entstand eine Tradition, die weit über den lokalen Spielbetrieb hinausreichen sollte. Der Spengler Cup verband den Club mit dem internationalen Eishockey und gab dem Wintersportort einen wiederkehrenden sportlichen Treffpunkt.
1926 und 1927: Die ersten grossen Erfolge des HC Davos
1926 gewann der HC Davos erstmals die Schweizer Meisterschaft. Nur fünf Jahre nach der Vereinsgründung hatte die Mannschaft damit die nationale Spitze erreicht. Der Erfolg bildete den Auftakt zu einer Entwicklung, die Davos über Jahrzehnte zu einem prägenden Namen im Schweizer Eishockey machen sollte.
Auch die Infrastruktur wuchs mit den sportlichen Aufgaben. Für die Europameisterschaften 1926 in Davos entstand eine erste Tribüne mit Platz für rund 300 Zuschauer. Bei grösseren Veranstaltungen ergänzten Schneerampen mit Sitzbänken die Anlage. Das Eishockey blieb unter freiem Himmel, erhielt aber einen zunehmend organisierten Rahmen.
1927 folgte der erste Sieg beim Spengler Cup. Im entscheidenden Spiel bezwang der HCD den Berliner SC mit 3:2. Damit gewann der Gastgeber erstmals das internationale Turnier, dessen Entwicklung er seit der ersten Austragung begleitet hatte.
Schweizer Meisterschaft und Spengler Cup waren zwei unterschiedliche Wettbewerbe. Die frühen Erfolge in beiden machten jedoch deutlich, wie rasch sich der junge Davoser Club entwickelt hatte.
Die Ära des «ni-Sturms»: Torriani und die Brüder Cattini
In den 1930er-Jahren entstand beim HC Davos eine Sturmreihe, die weit über den Club hinaus bekannt wurde: Richard «Bibi» Torriani sowie die Brüder Hans und Ferdinand «Pic» Cattini bildeten den legendären «ni-Sturm». Der Name bezog sich auf die gemeinsame Endsilbe ihrer Familiennamen.
Die drei prägten sowohl den HCD als auch die Schweizer Nationalmannschaft. Ihr Zusammenspiel verband Tempo, präzise Pässe und eingespielte Laufwege. Die internationale Eishockeyföderation IIHF würdigt die Formation als eine der herausragenden Sturmreihen der Schweizer Eishockeygeschichte.
Für Davos stehen Torriani und die Cattini-Brüder im Mittelpunkt einer langen Erfolgsphase. Die 1930er- und 1940er-Jahre wurden zur Ära einer Mannschaft, die das Schweizer Eishockey über weite Strecken dominierte.
Ihre Bedeutung reicht bis in die Gegenwart: Die Spengler-Cup-Gruppen tragen die Namen «Torriani» und «Cattini». Damit erinnert das Turnier an jene Spieler, die den Davoser und den Schweizer Eishockeysport nachhaltig mitgeprägt haben.
Nach der grossen Dominanz: Neue Herausforderungen und der Abstieg 1969
Mit dem Ende der Ära des «ni-Sturms» veränderten sich die Voraussetzungen beim HC Davos. Unter dem kanadischen Spielertrainer Stu Robertson gelangen zwar noch zwei weitere Schweizer Meistertitel. Die langjährige Vormachtstellung liess sich jedoch nicht dauerhaft fortsetzen.
Auch die Infrastruktur stellte den Club vor Schwierigkeiten. Während andere Mannschaften bereits auf Kunsteis trainierten, blieb Davos lange vom Wetter abhängig. Teilweise musste die Mannschaft zum Training auf zugefrorene Seen am Flüelapass ausweichen. Erst 1960 erhielt der HCD als letzter damaliger Nationalliga-A-Club eine Kunsteisbahn.
Die neue Anlage verbesserte die Trainings- und Spielbedingungen erheblich. Sie konnte den sportlichen Rückgang allerdings nicht aufhalten. 1969 stieg der HC Davos erstmals in die Nationalliga B ab.
Für den einst dominierenden Meisterclub begann damit ein anderes Kapitel. Statt um nationale Titel ging es nun darum, sich in der zweithöchsten Spielklasse zu behaupten und die Rückkehr nach oben vorzubereiten. Diese sollte zehn Jahre auf sich warten lassen.
1979: Zurück in der Nationalliga A – und unter einem neuen Holzdach
Nach zehn Jahren in der Nationalliga B kehrte der HC Davos 1979 in die höchste Schweizer Spielklasse zurück. Der Wiederaufstieg markierte einen sportlichen Neubeginn und gab zugleich einem lange diskutierten Bauvorhaben entscheidenden Schub: Das Eisstadion sollte ein Dach erhalten.
Ein erster Anlauf zur Überdachung war bereits um 1970 stecken geblieben. Damals waren vier Stützpfeiler errichtet worden, bevor das Projekt zum Stillstand kam. Mit der Rückkehr in die Nationalliga A wurde es wieder aufgenommen.
1979 folgten die Entscheidungen und Bauarbeiten in rascher Folge. Nach der Zustimmung zum Gemeindezuschuss im April begann der Bau. Ein zwischenzeitlicher gerichtlicher Baustopp verzögerte das Vorhaben, wurde im Juli jedoch wieder aufgehoben. Am 3. November 1979 fand das erste Meisterschaftsspiel in der neuen Halle statt.
Das markante Dach aus verleimtem Schichtholz wurde zum Erkennungszeichen des Davoser Eisstadions. 1980 folgte der weitere Ausbau der Tribünen, 1981 der Einbau der grossen Glaswände. Die Heimstätte erhielt damit schrittweise jene Gestalt, die bis heute eng mit dem HCD und dem Spengler Cup verbunden ist.
1984 und 1985: Der HC Davos ist wieder Schweizer Meister
Der Wiederaufstieg von 1979 führte den HC Davos innerhalb weniger Jahre zurück an die nationale Spitze. 1984 gewann der Club erneut die Schweizer Meisterschaft und verteidigte den Titel 1985 erfolgreich. Die Rückkehr in die Nationalliga A hatte damit eine neue Meistermannschaft hervorgebracht.
Diese Erfolge gehörten bereits zu einer anderen Eishockeywelt als die Titel der frühen Jahrzehnte. Gespielt wurde nun in der überdachten Davoser Halle, die zugleich dem Spengler Cup einen neuen Rahmen bot.
Auch das internationale Turnier entwickelte sich weiter. 1984 nahm erstmals das Team Canada unter diesem Namen teil und gewann auf Anhieb. Die kanadische Auswahl wurde zu einem Publikumsmagneten und zu einem prägenden Bestandteil des Spengler Cups.
Für Davos waren die frühen 1980er-Jahre damit in zweifacher Hinsicht bedeutend: Der HCD gewann wieder nationale Titel, während sein Weihnachtsturnier zusätzliche internationale Anziehungskraft erhielt. Die Meisterschaften von 1984 und 1985 bildeten jedoch keine dauerhafte Absicherung gegen kommende Krisen.
1989 bis 1993: Der tiefe Fall und der Weg zurück
Nur wenige Jahre nach den Meistertiteln geriet der HC Davos in eine schwere Krise. Im Frühjahr 1989 stieg die Mannschaft aus der Nationalliga A ab. Ein Jahr später folgte der nächste Rückschlag: Der HCD musste auch die Nationalliga B verlassen und fand sich in der dritthöchsten Spielklasse, der 1. Liga, wieder.
Für den traditionsreichen Club war das ein einschneidender Tiefpunkt. Frühere Titel boten keine Sicherheit für die Gegenwart. Davos musste seine sportliche Zukunft von unten neu aufbauen.
In der Saison 1990/91 übernahm Lance Nethery die Mannschaft. Der Kanadier hatte zuvor als Spieler mit dem HCD zwei Meisterschaften gewonnen. Als Trainer führte er die Davoser zurück in die Nationalliga B.
Nach einer weiteren Spielzeit unter Nethery folgte der nächste entscheidende Schritt: Unter dem Schweden Mats Waltin gelang in der Saison 1992/93 der Wiederaufstieg in die Nationalliga A. Vier Jahre nach dem ersten Abstieg war Davos wieder erstklassig.
Diese Rückkehr gehört zu den wichtigsten Wendepunkten der Vereinsgeschichte. Sie schuf die Voraussetzung für jene erfolgreiche Ära, die wenige Jahre später mit Arno Del Curto beginnen sollte.
Der Spengler Cup als Rückhalt in schwierigen Jahren
Während der HC Davos um seine sportliche Rückkehr kämpfte, entwickelte sich der Spengler Cup organisatorisch und wirtschaftlich weiter. Unter der Turnierleitung von Fredi Pargätzi wurde die Vermarktung ab 1990 professioneller gestaltet. Sponsorenbetreuung und wachsende Einnahmen gewannen an Bedeutung.
Die offizielle Turnierchronik hält fest, dass die höheren Gewinne einen wichtigen Beitrag zur Rückkehr des HCD in die höchste Spielklasse leisteten. Der Spengler Cup war damit mehr als ein internationales Schaufenster: Er wurde zu einem wirtschaftlichen Rückhalt des Clubs.
Auch die Teilnehmerliste erzählt von dieser schwierigen Phase. Von 1990 bis 1992 nahm der HCD nicht selbst am Turnier teil; andere Schweizer Mannschaften vertraten den Gastgeber. 1992 war beispielsweise Fribourg-Gottéron in Davos dabei.
Daran zeigt sich die besondere Beziehung zwischen Verein und Turnier. Der HCD hatte den Spengler Cup von Beginn an mitgetragen. Nun half die Weiterentwicklung des Turniers dabei, die Voraussetzungen für den sportlichen Wiederaufbau des Clubs zu verbessern.
1993: Der Aufstieg gegen Chur – Waltin und Thibaudeau prägen die Rückkehr
Im Frühjahr 1993 wurde die Rückkehr des HC Davos in die Nationalliga A ausgerechnet in einem Bündner Duell entschieden. Unter Trainer Mats Waltin traf der HCD auf den erstklassigen EHC Chur. Für beide Clubs stand damit weit mehr auf dem Spiel als ein Derbysieg: Davos wollte zurück nach oben, Chur seinen Platz in der höchsten Liga verteidigen.
Zunächst hatten die Davoser in der Aufstiegsrunde den EHC Bülach mit vier Siegen aus vier Spielen ausgeschaltet. Gegen Chur folgte die entscheidende Best-of-Five-Serie. Der HCD gewann zum Auftakt mit 4:0 und setzte sich anschliessend zweimal mit 4:3 durch. Mit dem 3:0 in der Serie war der Wiederaufstieg geschafft; Chur musste den umgekehrten Weg in die Nationalliga B antreten.
Zu den offensiven Leistungsträgern dieser Mannschaft gehörte Gilles Thibaudeau. Der kanadische Stürmer erzielte in der regulären NLB-Saison 1992/93 in 36 Spielen 51 Tore. Seine Abschlussstärke war ein wichtiger Bestandteil jener Mannschaft, mit der Waltin die Rückkehr in die höchste Spielklasse erreichte.
Hinter dem sportlichen Erfolg stand auch der Wiederaufbau unter Präsident Werner Kohler. Bereits Ende 1991 hatte er den Aufstieg für das Frühjahr 1993 als Ziel formuliert. Dieses Vorhaben wurde Wirklichkeit.
Waltins Bedeutung endete nicht mit dem Aufstieg. Er führte den HCD auch während der ersten drei Spielzeiten nach der Rückkehr in die Nationalliga A. Erst zur Saison 1996/97 übernahm Arno Del Curto. Der spätere Meistertrainer konnte damit auf einer Grundlage aufbauen, die Kohler, Waltin und die Aufstiegsmannschaft geschaffen hatten.
1996: Mit Arno Del Curto beginnt eine neue Ära
1996 übernahm Arno Del Curto das Traineramt beim HC Davos. Drei Jahre nach der Rückkehr in die höchste Spielklasse begann damit eine Zusammenarbeit, die den Club über mehr als zwei Jahrzehnte prägen sollte.
Unter Del Curto entwickelte sich Davos erneut zu einer führenden Mannschaft im Schweizer Eishockey. Die spätere Bilanz von sechs Meistertiteln macht die Bedeutung dieser Zeit deutlich. Der Weg dorthin begann jedoch mit dem Aufbau einer Mannschaft, die nach den Abstiegen und Wiederaufstiegen wieder dauerhaft an der Spitze bestehen konnte.
Die Ära Del Curto verbindet deshalb zwei Kapitel der Vereinsgeschichte: den mühsamen Wiederaufbau der frühen 1990er-Jahre und die Rückkehr zu grossen nationalen und internationalen Erfolgen.
Auch der Spengler Cup wurde Teil dieser Entwicklung. Im Jahr 2000 gewann der HCD das Heimturnier erstmals seit 1958 wieder. Nach 42 Jahren endete damit eine lange Wartezeit – noch bevor Davos unter Del Curto den ersten Schweizer Meistertitel feiern konnte.
2002: Der HC Davos kehrt auf den Meisterthron zurück
Im Frühling 2002 schloss sich für den HC Davos ein Kreis. Zwölf Jahre nach dem Absturz in die drittklassige 1. Liga und neun Jahre nach dem Wiederaufstieg gegen Chur gewannen die Bündner wieder die Schweizer Meisterschaft. Seit den beiden Titeln von 1984 und 1985 hatten die Fans auf diesen Moment gewartet.
Der Weg zurück an die Spitze hatte unter Arno Del Curto mehrere Etappen umfasst. Bereits 1998 erreichte Davos den Playoff-Final, musste sich damals aber dem EV Zug geschlagen geben. Der Spengler-Cup-Sieg 2000 zeigte anschliessend, dass der HCD auch wieder ein internationales Turnier gewinnen konnte.
2002 folgte die Bestätigung in der Meisterschaft. Im Playoff-Final traf Davos auf die ZSC Lions, die als Titelverteidiger antraten. Die Bündner entschieden die Serie mit 4:0 Siegen für sich und holten den ersten Schweizer Meistertitel unter Del Curto.
Für den Trainer war es ein besonderer Erfolg: Seit Bibi Torrianis Meisterschaft mit dem EHC Visp 1962 hatte kein gebürtiger Schweizer Trainer mehr eine Mannschaft zum Schweizer Meistertitel geführt.
Für Davos markierte dieser Triumph den Beginn einer neuen Meisterära. Der Klub, dessen sportliche Zukunft Anfang der 1990er-Jahre noch in den unteren Ligen gelegen hatte, stand wieder an der Spitze des Schweizer Eishockeys.
2004/05: NHL-Stars bringen Weltklasse nach Davos
Die Saison 2004/05 gehört zu den aussergewöhnlichsten Kapiteln der Davoser Klubgeschichte. Weil ein Arbeitskonflikt den Spielbetrieb der nordamerikanischen NHL lahmlegte, wechselten zahlreiche ihrer Spieler vorübergehend nach Europa. In Davos standen plötzlich Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman unter Arno Del Curto auf dem Eis.
Damit kamen drei Spieler mit unterschiedlichen Stärken zusammen: Thornton als Spielmacher mit Übersicht und präzisen Pässen, Nash als torgefährlicher Angreifer und Hagman als vielseitiger, dynamischer Stürmer. Für die Zuschauer bot sich die seltene Gelegenheit, NHL-Stars im Schweizer Ligaalltag aus nächster Nähe zu erleben.
Auch beim Spengler Cup zeigte sich die Stärke dieser Mannschaft. Im Dezember 2004 gewann der HC Davos den Final gegen Sparta Prag mit 2:0. Neben den prominenten Verstärkungen gehörte Torhüter Jonas Hiller zu den prägenden Figuren dieses Turniererfolgs.
Im Frühling 2005 folgte der Schweizer Meistertitel. Für Del Curto war es nach 2002 die zweite Meisterschaft mit dem HCD. Die Saison verband damit zwei wichtige Seiten der Davoser Identität: den Erfolg in der nationalen Meisterschaft und die internationale Bühne des Spengler Cups.
Besonders dauerhaft entwickelte sich die Verbindung zu Joe Thornton. Sowohl er als auch Rick Nash kehrten während des nächsten NHL-Lockouts 2012 nochmals nach Davos zurück. Ihr erstes Gastspiel blieb damit weit mehr als eine einmalige Episode.
2007 bis 2015: Sechs Meistertitel prägen die Ära Del Curto
Nach dem Meistertitel von 2005 blieb der HC Davos über Jahre eine feste Grösse im Kampf um die Schweizer Meisterschaft. Weitere Titel folgten 2007, 2009, 2011 und 2015. Zusammen mit den Erfolgen von 2002 und 2005 gewann der Klub unter Arno Del Curto sechs Meisterschaften.
Diese Erfolgsserie reichte weit über die besondere NHL-Lockout-Saison hinaus. Davos konnte auch ohne die damalige Ansammlung nordamerikanischer Stars wiederholt den Titel gewinnen. Del Curtos Arbeit als Ausbildner und die Entwicklung langjähriger Leistungsträger bildeten dafür eine wichtige Grundlage.
Eine zentrale Figur war Reto von Arx. Über viele Jahre gehörte er zu den sportlichen Eckpfeilern der Mannschaft. Seine Spielintelligenz und seine Bedeutung innerhalb des Teams machten ihn zu einem prägenden Gesicht dieser Davoser Epoche.
Der Meistertitel 2015 setzte den Schlusspunkt unter Del Curtos sechs Meisterschaften mit dem HCD. Zugleich endete danach die gemeinsame Zeit mit Reto von Arx – trotz des sportlichen Erfolgs im Unfrieden.
Für die Klubgeschichte bleibt diese Ära ein zweiter grosser Erfolgsblock nach den frühen Jahrzehnten. Der Wiederaufstieg von 1993 hatte Davos zurück in die höchste Liga gebracht. Unter Del Curto wurde daraus eine Mannschaft, die den Schweizer Meisterschaftskampf über viele Jahre mitprägte.
2018: Das Ende der Ära Arno Del Curto
Am 27. November 2018 endete eines der prägendsten Kapitel der Davoser Klubgeschichte: Arno Del Curto trat mit sofortiger Wirkung als Trainer zurück. Seit 1996 hatte er die Mannschaft geführt – mehr als 22 Jahre lang.
Seine Bilanz umfasste sechs Schweizer Meistertitel und fünf Siege am Spengler Cup. Doch seine Bedeutung für den HCD ging über diese Erfolge hinaus. Über mehr als zwei Jahrzehnte hatte Del Curto Spieler entwickelt, Mannschaften geformt und dem Davoser Eishockey ein unverwechselbares Gesicht gegeben.
Der Abschied erfolgte während einer schwierigen Saison. Nach 21 Meisterschaftsspielen stand Davos auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Rückstand auf die Playoff-Ränge betrug bereits zwölf Punkte. Die langjährige Erfolgsgeschichte bot keinen Schutz vor einem sportlichen Umbruch.
Zunächst übernahm Michel Riesen die Mannschaft interimistisch. Im Dezember 2018 verpflichtete der Klub schliesslich Harijs Witolinsch als neuen Cheftrainer.
Für den HC Davos bedeutete dieser Wechsel mehr als eine neue Besetzung an der Bande. Nach über zwei Jahrzehnten musste der Verein seinen sportlichen Weg ohne den Trainer weiterführen, der die jüngere Klubgeschichte entscheidend geprägt hatte. Die Aufgabe bestand nun darin, an diese erfolgreiche Vergangenheit anzuknüpfen und gleichzeitig eine neue Mannschaft und Führung zu entwickeln.
Ab 2019: Neustart unter Christian Wohlwend – und die Pandemie als Einschnitt
Im Frühjahr 2019 verpflichtete der HC Davos Christian Wohlwend als neuen Cheftrainer. Nach der schwierigen Übergangssaison nach Arno Del Curtos Abschied sollte der ehemalige Schweizer U20-Nationaltrainer die Mannschaft wieder nach vorne bringen.
Die erste Saison zeigte eine deutliche sportliche Erholung. Davos beendete die Qualifikation 2019/20 auf dem dritten Tabellenplatz und erreichte zudem den Schweizer Cupfinal, in dem sich allerdings der HC Ajoie durchsetzte. Wie weit die Mannschaft in den Playoffs hätte kommen können, blieb offen: Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die Meisterschaft im März 2020 vor Beginn der entscheidenden Phase abgebrochen.
Für Davos hatte die Pandemie eine zusätzliche Bedeutung. Auch der Spengler Cup musste 2020 und 2021 abgesagt werden. Damit fehlte zweimal hintereinander jener Anlass, der den Klub weit über die Schweiz hinaus sichtbar macht und zugleich wirtschaftlich besonders wichtig ist.
Ein sportlicher Höhepunkt folgte im Frühjahr 2022. Im Playoff-Viertelfinal gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers lag Davos bereits mit 0:3 Siegen zurück. Vier Siege in Folge brachten dennoch die Wende und den Einzug in den Halbfinal.
Die Zeit unter Wohlwend blieb damit von Gegensätzen geprägt: einem vielversprechenden Neustart, aussergewöhnlichen Unterbrechungen und einer eindrücklichen Playoff-Aufholjagd. Im Januar 2023 stellte der Klub seinen Cheftrainer schliesslich frei. Der nächste Wechsel an der Bande stand bevor.
2023: Josh Holden und der Spengler-Cup-Sieg im Jubiläumsjahr
Zur Saison 2023/24 übernahm Josh Holden die Mannschaft als Cheftrainer. Bereits in seinem ersten Jahr gelang ihm ein Erfolg, der für Davos eine besondere Bedeutung hatte: Der HCD gewann wieder den Spengler Cup.
Der Zeitpunkt verlieh diesem Triumph zusätzlichen historischen Glanz. Genau hundert Jahre nach der ersten Austragung von 1923 setzte sich der Gastgeber beim eigenen Traditionsturnier durch. Seit dem Davoser Turniersieg von 2011 waren zwölf Jahre vergangen.
Die Mannschaft blieb während des gesamten Turniers ungeschlagen und gewann alle vier Partien. Im Final am 31. Dezember 2023 bezwang sie Dynamo Pardubice mit 5:3. Damit sicherte sich der HC Davos seinen 16. Spengler-Cup-Titel und zog in der Zahl der Turniersiege mit dem Team Canada gleich.
Für Holden war es ein früher Erfolg als Davoser Cheftrainer. Für den Klub verband dieser Jahresabschluss die Gegenwart mit einem seiner ältesten historischen Standbeine: dem internationalen Weihnachtsturnier, das seit den frühen Jahren zur Identität des HCD gehört.
Der Sieg im Jubiläumsjahr machte diese Verbindung besonders sichtbar. Hundert Jahre nach Carl Spenglers erster Einladung stand erneut eine Davoser Mannschaft mit dem Pokal auf dem Eis – unter einem neuen Trainer und vor einer neuen Generation von Fans.
2025: Abschied von Andres Ambühl und Marc Wieser
Im Frühjahr 2025 verabschiedeten sich zwei Spieler, die den HC Davos über viele Jahre geprägt hatten: Andres Ambühl und Marc Wieser. Mit dem Ende ihrer Spielerkarrieren verlor die Mannschaft zwei vertraute Gesichter und ein grosses Stück Erfahrung.
Ambühls letzte Partie in der höchsten Schweizer Liga war das sechste Playoff-Halbfinalspiel gegen die ZSC Lions am 10. April 2025. Beim 4:6 erzielte er nochmals ein Tor. Es war sein 1322. Einsatz auf dieser Stufe – eine Rekordmarke, die seine aussergewöhnliche Beständigkeit dokumentiert.
Seine Laufbahn war eng mit Davos verbunden, führte ihn zwischenzeitlich aber auch nach Nordamerika und zu den ZSC Lions. Insgesamt gewann er sechs Schweizer Meistertitel: fünf mit dem HC Davos und einen mit Zürich. Damit gehörte Ambühl zu jener Generation, die die Erfolge unter Arno Del Curto mitgestaltete und später den Übergang in eine neue Zeit begleitete.
Auch Marc Wieser erreichte in seiner letzten Saison einen besonderen Meilenstein: seinen 1000. Einsatz in der höchsten Schweizer Liga. Gemeinsam standen die beiden für eine langjährige Verbundenheit mit dem Davoser Eishockey.
Ihr Abschied verdeutlichte einen weiteren Generationenwechsel. Die Geschichte des HCD wurde nun zunehmend von Spielern weitergeschrieben, für die Ambühl und Wieser bereits als Vorbilder zur eigenen Jugend gehört hatten.
2025: Mit dem 17. Spengler-Cup-Sieg zum alleinigen Rekordhalter
Am letzten Tag des Jahres 2025 schrieb der HC Davos erneut Spengler-Cup-Geschichte. Mit einem 6:3-Finalsieg gegen die US Collegiate Selects gewann der Gastgeber das Turnier zum 17. Mal. Damit überholte Davos das Team Canada und wurde wieder alleiniger Rekordsieger.
Der Weg zum Pokal führte über einen Sieg gegen IFK Helsinki im Vorhalbfinal und einen hart erkämpften Halbfinalerfolg gegen Titelverteidiger Fribourg-Gottéron. Im Endspiel wartete mit den US Collegiate Selects eine Auswahl aus dem nordamerikanischen College-Eishockey.
Der Final blieb lange offen. Nach zwei Dritteln stand es 3:3, ehe Davos die Entscheidung mit drei Treffern in den letzten fünf Minuten erzwang. Aus einer ausgeglichenen Partie wurde damit ein erfolgreicher Jahresabschluss vor heimischem Publikum.
Für Josh Holden war es nach 2023 bereits der zweite Spengler-Cup-Triumph als Davoser Cheftrainer. Der Erfolg zeigte, dass der Gastgeber auch nach dem Abschied langjähriger Leistungsträger weiterhin internationale Titel gewinnen konnte.
Zwischen dem ersten Davoser Turniersieg 1927 und diesem 17. Erfolg lagen fast hundert Jahre. Der Spengler Cup blieb damit ein roter Faden durch die Klubgeschichte: als internationale Begegnungsstätte, wirtschaftlicher Rückhalt und Bühne für neue sportliche Höhepunkte.
2025/26: Eine Rekordsaison endet einen Treffer vor dem Meistertitel
Die Saison 2025/26 brachte den HC Davos so nahe an den Schweizer Meistertitel wie seit Jahren nicht mehr. Mit 117 Punkten stellte die Mannschaft von Josh Holden in der Qualifikation einen neuen Klubrekord auf.
Auch in den Playoffs bestätigten die Davoser ihre Stärke. Im Viertelfinal bezwangen sie den EV Zug mit 4:1 Siegen. Anschliessend setzten sie sich im Halbfinal mit demselben Serienresultat gegen den amtierenden Meister ZSC Lions durch. Im Final wartete Fribourg-Gottéron.
Die Entscheidung fiel erst im siebten Spiel – und selbst dort reichten sechzig Minuten nicht aus. Am 30. April 2026 erzielte Fribourg-Gottéron in der Verlängerung den entscheidenden Treffer. Davos blieb der Vizemeistertitel.
Damit endete eine aussergewöhnliche Saison mit einer schmerzhaften Niederlage. Zum bereits errungenen Spengler-Cup-Sieg kam der Schweizer Meistertitel nicht mehr hinzu. Der HCD hatte jedoch gezeigt, dass er auch nach dem Generationenwechsel wieder bis ins letzte Spiel um die nationale Meisterschaft kämpfen konnte.
Die Entwicklung spiegelte sich zudem auf den Rängen wider: Durchschnittlich 5577 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten die Davoser Heimspiele – ebenfalls ein neuer Klubrekord. Sportlich und beim Publikumsinteresse schrieb die Saison damit ein bedeutendes neues Kapitel der HCD-Geschichte, auch wenn der letzte Treffer dem Gegner gehörte.
Fazit: Die Geschichte des HC Davos ist mehr als eine Sammlung von Titeln
Die Geschichte des HC Davos verbindet sportliche Erfolge mit tiefen Rückschlägen und wiederholten Neuanfängen. Aus den Anfängen auf Natureis entwickelte sich ein Klub, der das Schweizer Eishockey über Generationen mitprägte. Die frühen Meistermannschaften um Bibi Torriani und die Brüder Cattini gehören ebenso dazu wie der Absturz in die 1. Liga, der Wiederaufstieg unter Mats Waltin und die sechs Meistertitel unter Arno Del Curto.
Gerade die schwierigen Jahre machen deutlich, dass die heutige Stellung des HCD keine Selbstverständlichkeit ist. Der Weg zurück führte über Menschen, die Verantwortung übernahmen, über Spieler wie Gilles Thibaudeau und über die Unterstützung eines Umfelds, das auch in den unteren Ligen zum Verein hielt.
Ein besonderer Bestandteil dieser Geschichte bleibt der Spengler Cup. Seit 1923 verbindet das Turnier Davos mit der internationalen Eishockeywelt. Es ist zugleich sportliche Bühne, wirtschaftlicher Rückhalt und eine Tradition, die weit über den eigenen Klub hinausreicht.
Mit 31 Schweizer Meistertiteln und 17 Spengler-Cup-Siegen steht der HC Davos für eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Die Finalteilnahme 2026 zeigt zugleich, dass diese Geschichte weitergeschrieben wird.
Wer heute ein Heimspiel in Davos besucht, begegnet deshalb mehr als einer Mannschaft: Er erlebt einen Ort, an dem über hundert Jahre Eishockeygeschichte bis in die Gegenwart hineinwirken.
Quellen und weiterführende Informationen
Dieser Beitrag stützt sich auf die offiziellen Chroniken des HC Davos und des Spengler Cups, historische Fachliteratur sowie die zeitgenössische Sportberichterstattung.
• HC Davos: Offizielle Klubgeschichte und Saisonchronik
https://www.hcd.ch/de/der-hcd/geschichte
• HC Davos: Geschichte des Eisstadions
https://www.hcd.ch/de/eisstadion/geschichte-eisstadion
• Spengler Cup: Offizielle Turniergeschichte
https://www.spenglercup.ch/de/das-turnier/geschichte
• Historische Fachliteratur: Leseprobe des HCD-Jubiläumsbuchs beim Chronos Verlag
https://www.chronos-verlag.ch/public-download/3064
• Keystone-SDA / SWI swissinfo.ch: Die 22 HCD-Jahre unter Arno Del Curto
https://www.swissinfo.ch/ger/die-22-hcd-jahre-unter-arno-del-curto/44576014
Die historischen Saisonangaben reichen bis zum Abschluss der Spielzeit 2025/26.
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