Die Geschichte des HC Fribourg-Gottéron beginnt mit sechs Jugendlichen und einer Idee: einen eigenen Eishockeyclub zu gründen. Aus diesen bescheidenen Anfängen im Jahr 1937 entwickelte sich ein Verein, dessen Bedeutung weit über das Eis hinausreicht.
Der Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse, die Ära von Slawa Bykow und Andrei Chomutow und die enge Verbindung zu seinen Anhängern prägen Gottéron bis heute. Diese Geschichte führt von den Wurzeln in der Freiburger Unterstadt zu einem Club, der Menschen über Sprach- und Gemeindegrenzen hinweg verbindet.
Adresse, offizielle Website und weitere Vereinsinformationen findest du in unserem Clubprofil des HC Fribourg-Gottéron.
1937: Sechs Jugendliche und die Anfänge im Gottéron-Tal
Am 1. Dezember 1937 trafen sich sechs Jugendliche in der Küche der Familie Schieferdecker und beschlossen, einen Eishockeyclub zu gründen. Die Wurzeln des HC Gottéron lagen in der Freiburger Unterstadt. Gespielt wurde zunächst auf gefrorenen Weihern im Gottéron-Tal, das dem Verein seinen Namen gab.
Die Anfänge waren einfach: Statt einer modernen Eishalle standen natürliche Eisflächen zur Verfügung. Der Spielbetrieb hing damit auch von der winterlichen Witterung ab. Was später zu einem festen Bestandteil des Schweizer Spitzeneishockeys werden sollte, begann als gemeinsames Projekt junger Freiburger.
Diese Herkunft gehört bis heute zur Identität des Clubs. Die Unterstadt und das Gottéron-Tal sind deshalb mehr als Schauplätze seiner frühen Jahre: Sie erklären, weshalb die Vereinsgeschichte so
Vom Natureis zur Nationalliga B: Gottéron wächst
1941 erhielt der HC Gottéron eine eigene Eisbahn unterhalb des Augustinerklosters. Bewohner des Quartiers hatten mit grossem Einsatz daran mitgearbeitet. Der Verein bekam damit eine feste sportliche Heimat – getragen von Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung.
Ein wichtiger Schritt folgte in der Saison 1945/46: Mit dem ehemaligen Nationalspieler Walter Essig verpflichtete Gottéron erstmals einen Trainer. Unter seiner Führung entwickelte sich die Mannschaft weiter und erreichte 1953 nach einem Sieg gegen Thalwil den Aufstieg in die Nationalliga B.
Doch die Infrastruktur setzte dem sportlichen Ehrgeiz weiterhin Grenzen. Ohne Kunsteis blieb der Betrieb vom Wetter abhängig. Im November 1956 wurde schliesslich die Kunsteisbahn bei den Augustinern Wirklichkeit. Sie schuf verlässlichere Voraussetzungen für Training und Spiele.
Gottéron war inzwischen über die improvisierten Anfänge hinausgewachsen. Der Weg in die höchste Spielklasse blieb jedoch vorerst versperrt.
Rückschläge und Neubeginn: Der lange Weg in die höchste Liga
Der Aufstieg in die Nationalliga B brachte Gottéron dem Schweizer Spitzeneishockey näher. Doch der nächste Schritt gelang lange nicht. 1961 scheiterte die Mannschaft in der Aufstiegsrunde an Langnau. Auch weitere Anläufe zu Beginn der 1970er-Jahre führten nicht in die höchste Spielklasse.
Gleichzeitig veränderte sich der Anspruch des Vereins. Mit der Übernahme des Präsidiums 1967 wollte Luigi Musy aus Gottéron einen Club für den ganzen Kanton machen. Die damalige Umbenennung in HC Fribourg brachte diese Öffnung zum Ausdruck: Der Verein sollte über seine Wurzeln im Quartier hinaus Menschen aus der gesamten Region ansprechen.
Sportlich folgte jedoch ein schwerer Rückschlag. Am Ende der Saison 1975/76 stieg die Mannschaft in die 1. Liga ab. Statt des erhofften Durchbruchs musste sie sich den Weg zurück erarbeiten.
Zwei Jahre später gelang unter Raymond Maisoneuve die Rückkehr in die Nationalliga B. Mit der anschliessenden Verpflichtung von Trainer Gaston Pelletier begann das nächste entscheidende Kapitel.
4. März 1980: Der Aufstieg, der Gottéron veränderte
Am 4. März 1980 gelang der langersehnte Durchbruch: Mit einem 6:0 gegen Zürich sicherte sich Gottéron erstmals den Aufstieg in die Nationalliga A. Auf der Eisbahn der Augustiner erreichte der Verein damit ein Ziel, auf das mehrere Generationen von Spielern, Verantwortlichen und Anhängern hingearbeitet hatten.
Trainer Gaston Pelletier hatte die Mannschaft nach ihrer Rückkehr in die Nationalliga B an die Spitze geführt. Zwischen dem Abstieg in die 1. Liga und dem Aufstieg in die höchste Spielklasse lagen gerade einmal vier Jahre.
Mit dem Erfolg rückten auch die Wurzeln wieder stärker in den Vordergrund: Der Club nahm den Namen HC Fribourg-Gottéron an. Er verband damit den regionalen Anspruch mit seiner Herkunft aus dem Gottéron-Tal.
In den ersten beiden NLA-Spielzeiten trug Gottéron seine Heimspiele weiterhin bei den Augustinern aus. Pelletier und seine Mannschaft schafften den Ligaerhalt. Aus dem Aufsteiger wurde ein fester Bestandteil der höchsten Schweizer Spielklasse.
1982: Eine neue Heimat in Saint-Léonard
Zu Beginn der Saison 1982/83 zog Fribourg-Gottéron von der Eisbahn der Augustiner nach Saint-Léonard um. Damit verliess der Club den Spielort in der Unterstadt, an dem er gewachsen war und den Aufstieg in die höchste Liga gefeiert hatte.
Der Wechsel markierte einen neuen Abschnitt: Gottéron spielte nun nicht nur sportlich in der Nationalliga A, sondern verfügte auch über eine neue Heimstätte. Saint-Léonard wurde zum Schauplatz der weiteren Entwicklung des Vereins.
Unter Trainer Paul-André Cadieux machte die Mannschaft früh auf sich aufmerksam. In ihrer dritten NLA-Saison erreichte sie den zweiten Rang, in der folgenden Spielzeit den dritten. Diese Platzierungen waren Erfolge in der damaligen Meisterschaft und dürfen nicht mit späteren Playoff-Finalteilnahmen verwechselt werden.
Gottéron zeigte damit, dass es in der höchsten Spielklasse mehr erreichen konnte als den Ligaerhalt. Die Voraussetzungen für die kommenden prägenden Jahre waren geschaffen.
1990: Bykow und Chomutow verändern Gottéron
Im März 1990 verkündete Jean Martinet auf dem Gipfel des Moléson zwei aussergewöhnliche Verpflichtungen: Slawa Bykow und Andrei Chomutow sollten nach Freiburg kommen. Die beiden sowjetischen Nationalspieler brachten internationale Klasse nach Saint-Léonard.
Ihre Ankunft wurde zu einem Wendepunkt. Gottéron gewann sportliche Strahlkraft und begeisterte Menschen weit über das bisherige Einzugsgebiet hinaus. Die Verbindung zwischen dem Club und der Bevölkerung des ganzen Kantons wurde dadurch weiter gestärkt.
Bykow und Chomutow stehen deshalb für mehr als eine erfolgreiche Transferentscheidung. Ihre Namen gehören zu jener Phase, in der sich Gottéron vom regional verwurzelten Erstligisten zu einem schweizweit beachteten Club entwickelte. Für viele Anhänger wurde ihr Zusammenspiel zum prägenden Bild einer ganzen Eishockeygeneration.
1992 bis 1994: Drei Finals und der unerfüllte Meistertraum
Zwischen 1992 und 1994 erreichte Fribourg-Gottéron dreimal hintereinander den Playoff-Final. Die Mannschaft gehörte damit zu den führenden Teams des Schweizer Eishockeys. Zum Meistertitel reichte es jedoch nicht.
1992 setzte sich der SC Bern im Final durch. In den beiden folgenden Jahren scheiterte Gottéron jeweils an Kloten. Besonders schmerzlich war die Niederlage 1994: Die Freiburger hatten die reguläre Saison mit elf Punkten Vorsprung auf Kloten abgeschlossen, konnten diese Überlegenheit im entscheidenden Duell aber nicht in den Titel umsetzen.
Die Finalserie dieser Jahre gehört zu den prägenden Kapiteln der Ära Bykow und Chomutow. Sie brachte Gottéron dem Meistertitel so nahe wie nie zuvor und hinterliess zugleich die Erinnerung an verpasste Chancen.
Nach dem verlorenen Halbfinal gegen Zug 1995 wurden die sportlichen Jahre schwieriger. Verletzungen belasteten auch die beiden sowjetischen Ausnahmespieler. Die Mannschaft musste sich nach ihrer erfolgreichen Phase neu orientieren.
2013: Die Rückkehr in den Playoff-Final
Nach der erfolgreichen Phase der frühen 1990er-Jahre folgten wechselhafte Spielzeiten. Gottéron musste sportliche Rückschläge und wirtschaftliche Herausforderungen bewältigen. 1997 wurde der Verein in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um seine wirtschaftliche Grundlage zu stärken.
Erst 2013 erreichte Fribourg-Gottéron wieder einen Playoff-Final. Unter Trainer Hans Kossmann hatte die Mannschaft zuvor die reguläre Saison auf dem ersten Platz abgeschlossen. Im Viertelfinal setzte sie sich nach sieben Spielen gegen Biel durch, anschliessend bezwang sie die ZSC Lions.
Die Saison war zugleich von Trauer geprägt: Präsident Laurent Haymoz war im Februar überraschend verstorben. Michel Volet übernahm das Amt vorübergehend.
Im Final traf Gottéron auf den SC Bern. Nach einem Rückstand von 0:2 Siegen gelang der Ausgleich zum 2:2. Die beiden folgenden Begegnungen gingen jedoch verloren. Damit endete auch die vierte Finalteilnahme der Clubgeschichte ohne Meistertitel – 19 Jahre nach dem letzten Final der Ära Bykow und Chomutow.
Von Saint-Léonard zur BCF Arena: Eine neue Heimat am vertrauten Ort
2018 begann die umfassende Erneuerung des Stadions in Saint-Léonard. Während die Mannschaft weiterhin ihre Heimspiele austrug, wurde die bestehende Anlage schrittweise erweitert und modernisiert. Die Arbeiten liefen über zwei Jahre, ohne den Spielbetrieb vollständig zu unterbrechen.
2020 öffnete die erneuerte BCF Arena ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte. Für Gottéron bedeutete der Umbau, am vertrauten Standort bleiben und gleichzeitig zeitgemässere Bedingungen für Mannschaft, Zuschauer und Partner schaffen zu können.
Der Kontrast zu den Anfängen ist gross: Aus dem Spiel auf gefrorenen Weihern war ein professioneller Eishockeybetrieb in einer modernen Arena geworden. Geblieben war die Bedeutung des Stadions als gemeinsamer Treffpunkt der Anhänger.
Die BCF Arena steht damit für die Weiterentwicklung des Clubs. Sie verbindet die Geschichte von Saint-Léonard mit dem Anspruch, sich dauerhaft im Schweizer Spitzeneishockey zu behaupten.
2024: Der erste Spengler-Cup-Sieg der Clubgeschichte
Am 31. Dezember 2024 feierte Fribourg-Gottéron einen besonderen Erfolg: Mit einem 7:2 gegen die Straubing Tigers gewann der Club erstmals den Spengler Cup. Nach den früheren Teilnahmen 1992 und 2012 gelang den Freiburgern damit der Turniersieg in Davos.
Bereits im Halbfinal hatte Gottéron den Gastgeber und Titelverteidiger HC Davos ausgeschaltet. Im Endspiel gegen Straubing legten die Freiburger dann einen rasanten Start hin: Nach nur 192 Sekunden führten sie bereits mit 3:1. Am Ende stand ein deutlicher Sieg.
Der Spengler-Cup-Triumph war ein eigenständiger Meilenstein. Er brachte Gottéron einen traditionsreichen internationalen Turnierpokal – der Schweizer Meistertitel blieb zu diesem Zeitpunkt jedoch weiterhin ein unerfülltes Ziel.
Für die Vereinsgeschichte gehört der Jahresabschluss 2024 damit zu den Momenten, in denen aus sportlicher Hoffnung ein greifbarer Erfolg wurde.
2026: Endlich Schweizer Meister
Am 30. April 2026 erreichte Fribourg-Gottéron das grösste sportliche Ziel seiner Geschichte: Die Freiburger gewannen erstmals die Schweizer Meisterschaft. Sechsundvierzig Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse endete das lange Warten auf den Titel.
Die Entscheidung fiel im siebten Finalspiel gegen den HC Davos. Gottéron setzte sich auswärts mit 3:2 nach Verlängerung durch. Lucas Wallmark erzielte den entscheidenden Treffer und machte die Drachen zum Schweizer Meister.
Für Julien Sprunger wurde der Triumph zugleich zum Abschied. Sein 1’186. und letztes Spiel im Trikot Gottérons endete mit dem Meisterpokal. Damit verband sich der grösste Erfolg des Clubs mit dem Karriereabschluss einer seiner prägendsten Persönlichkeiten.
Der Titel gab der Vereinsgeschichte einen neuen Bezugspunkt. Die verlorenen Finals blieben Teil der Erinnerung, doch nun gehörte auch der ersehnte Meisterjubel dazu. Aus dem jahrzehntelangen Traum war ein gemeinsamer Erfolg geworden.
Mehr als Eishockey: Gottéron als Verbindung einer Region
Die Bedeutung von Fribourg-Gottéron lässt sich nicht allein an Resultaten und Pokalen ablesen. Der Club verbindet seine Wurzeln in der Freiburger Unterstadt mit einer Anhängerschaft, die weit über das ursprüngliche Quartier hinausgewachsen ist.
Die Entwicklung zum Verein eines ganzen Kantons war dabei kein Zufall. Bereits in den 1960er-Jahren wurde dieser Anspruch ausdrücklich formuliert. Die späteren sportlichen Erfolge und die Ära Bykow und Chomutow verstärkten die Ausstrahlung zusätzlich.
In einer zweisprachigen Region bietet Eishockey einen gemeinsamen Bezugspunkt. Unterschiedliche Generationen und Lebensgeschichten treffen auf den Tribünen zusammen. Dabei gehören Erinnerungen an schwierige Spielzeiten ebenso zur Verbundenheit wie grosse Siege.
Der erste Meistertitel 2026 fügte dieser gewachsenen Beziehung ein neues Kapitel hinzu. Er ersetzte die frühere Geschichte nicht, sondern gab ihr einen besonderen Abschluss: Menschen, die Gottéron über Jahrzehnte begleitet hatten, konnten den lange erhofften Erfolg gemeinsam feiern.
Quellen und weiterführende Informationen
Dieser Artikel basiert auf der offiziellen Clubgeschichte, historischen Einordnungen der Universität Freiburg sowie offiziellen Berichten zu den sportlichen Erfolgen.
Die Gründungsentscheidung fiel am 1. Dezember 1937. Die offizielle Aufnahme in den Schweizer Eishockeyverband erfolgte 1938. Deshalb erscheinen in historischen Darstellungen beide Jahreszahlen.
Recherchestand: 2. November 2026.
- Fribourg-Gottéron: Offizielle Clubgeschichte
- Universität Freiburg: Die Geschichte der Begeisterung für Gottéron
- Spengler Cup: Gottérons erster Turniersieg 2024
- Fribourg-Gottéron: Rückblick auf die historische Saison 2025/26
- Fribourg-Gottéron: Das entscheidende Finalspiel gegen Davos
Foto: KI-bearbeitetes Foto der BCF Arena in Freiburg. Fans, Schnee und winterliche Stimmung wurden mithilfe künstlicher Intelligenz ergänzt.
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