Am Ende standen 352 Länderspiele, 20 Weltmeisterschaften und 151 WM-Partien. Weltrekorde, die eine aussergewöhnliche Karriere beschreiben. Doch wer Andres Ambühl verstehen will, muss hinter diese Zahlen schauen: ins Davoser Sertigtal, auf den elterlichen Bauernhof und zu einem Jungen, für den der HC Davos zunächst der Verein seines Vaters und später ein prägender Teil des eigenen Lebens wurde.
Sein Weg führte ihn aus den Bündner Bergen nach Nordamerika, für drei Spielzeiten zu den ZSC Lions und schliesslich zurück nach Davos. Er wurde sechsmal Schweizer Meister, gewann dreimal den Spengler Cup und erlebte mit der Nationalmannschaft drei WM-Silbermedaillen. Als er 2025 seine Spielerkarriere beendete, hatte er zudem 1322 Partien in der höchsten Schweizer Liga bestritten.
Diese Geschichte handelt von einem Spieler, der über Jahrzehnte seinen Platz behauptete, während sich das Eishockey um ihn herum veränderte. Von einem gescheiterten NHL-Traum, der trotzdem seinen Wert hatte. Von Heimatverbundenheit, ohne die Erfahrungen anderswo kleinzureden. Und von einem Menschen, dessen öffentliche Aussagen immer wieder erkennen lassen, wie wichtig ihm Mitspieler, Familie und die Freude am Spiel sind.
2026 nahm ihn die Internationale Eishockey-Föderation in ihre Hall of Fame auf. Dafür wurde sogar die übliche zweijährige Wartefrist nach dem Karriereende aufgehoben. Die internationale Anerkennung passte zu einer Laufbahn, die in Davos verwurzelt war und weit über die Schweiz hinaus Bedeutung gewann.
Kindheit im Sertigtal: Wo Andres Ambühls Geschichte beginnt
Lange bevor Andres Ambühl vor Tausenden Zuschauern spielte, wuchs er auf dem Bauernhof seiner Eltern im Davoser Sertigtal auf. Als ältestes von vier Kindern und einziger Sohn half er früh im Betrieb mit. Bewegung und körperliche Arbeit gehörten zu seinem Alltag.
Später wurde diese Kindheit oft als Erklärung für seine aussergewöhnliche Ausdauer und Widerstandsfähigkeit herangezogen. Ambühl selbst äusserte sich dazu zurückhaltender. Im Rückblick hielt er es für möglich, dass seine Jugend seinen Körper geprägt hatte. Eine sichere Erklärung für seine seltenen Verletzungen wollte er daraus aber nicht machen. Er verwies auch auf eine robuste körperliche Veranlagung und das Glück, gesund geblieben zu sein.
Die Verbindung zum HC Davos bestand bereits durch seinen Vater. Dieser war ein begeisterter HCD-Anhänger und besass eine Saisonkarte. Der Verein gehörte damit schon zum Familienleben, bevor Andres selbst zu einem seiner bekanntesten Spieler wurde.
Mit sieben Jahren begann Ambühl mit dem Eishockey. Aus dem Interesse am Spiel entwickelte sich Schritt für Schritt eine Laufbahn, die ihn weit über das Tal seiner Kindheit hinausführen sollte.
Das Sertigtal blieb dabei ein Bezugspunkt seiner Geschichte. Die Bezeichnung als «Bergler» störte ihn auch als international bekannten Sportler nicht. Heimatverbundenheit und Neugier auf andere Orte schlossen sich für ihn keineswegs aus – das sollten seine späteren Stationen in Nordamerika und Zürich zeigen.
Die ersten Schritte beim HC Davos: Vom Nachwuchsspieler zum Schweizer Meister
In der Saison 2000/01 erreichte Andres Ambühl die erste Mannschaft des HC Davos. Aus dem Jungen, der den Verein durch seine Familie kennengelernt hatte, wurde ein Spieler in jener Mannschaft, die Arno Del Curto wieder an die Schweizer Spitze führen wollte.
Ambühl kam in ein anspruchsvolles Umfeld. Davos hatte im Dezember 2000 erstmals seit 1958 wieder den Spengler Cup gewonnen. Der Klub verfolgte grosse sportliche Ziele, und für einen jungen Spieler galt es, sich seinen Platz neben erfahrenen Profis zu erarbeiten.
Auch international zeigte sich früh, dass Ambühl zu einer vielversprechenden Schweizer Generation gehörte. 2001 gewann er mit der U18-Nationalmannschaft WM-Silber. Noch lange bevor seine Einsätze im A-Nationalteam Rekorddimensionen erreichten, gehörte er damit bereits zu einer Schweizer Mannschaft, die an einer Weltmeisterschaft um Gold spielte.
Im Frühjahr 2002 folgte der erste Schweizer Meistertitel mit dem HC Davos. Ambühl war erst 18 Jahre alt. Im Final besiegten die Bündner die ZSC Lions mit 4:0 Siegen und beendeten ihre seit 1985 dauernde Wartezeit auf die Meisterschaft.
In diesen frühen Profijahren bekam auch seine Rückennummer ihre persönliche Bedeutung. Ambühl wählte die Nummer 10 nach seinem Vorbild Pawel Bure, dem russischen Ausnahmeangreifer. Diese Zahl sollte ihn durch seine Laufbahn begleiten – und später im Schweizer Nationalteam untrennbar mit seinem eigenen Namen verbunden sein.
2004: Die erste Weltmeisterschaft – noch ohne Gedanken an Rekorde
Als Andres Ambühl 2004 erstmals an einer Weltmeisterschaft der A-Nationalmannschaft teilnahm, war er 20 Jahre alt. Dass daraus eines Tages zwanzig WM-Teilnahmen werden sollten, lag ausserhalb seiner Vorstellung. Zunächst ging es darum, überhaupt einen Platz in dieser Mannschaft zu finden.
Im Rückblick beschrieb er seine erste WM als unerwartete Gelegenheit. Weil die Klubsaison früh genug geendet hatte, konnte er die gesamte Vorbereitung mit dem Nationalteam absolvieren und sich für das Turnier empfehlen.
In der Garderobe begegnete er Spielern, die er bis dahin vor allem als etablierte Grössen wahrgenommen hatte: Torhüter Martin Gerber, Sandy Jeannin und Mark Streit. Nun gehörte er selbst zu ihrem Team. Auch die Aussicht, gegen die Stars grosser Eishockeynationen anzutreten, verlieh dem Turnier eine neue Dimension.
Bereits beim 6:0 gegen Frankreich erzielte Ambühl ein Tor. Trotzdem war ein regelmässiger Einsatz für ihn keineswegs selbstverständlich. Als junger Spieler wusste er nicht, ob er im nächsten Match wieder auflaufen oder auf der Tribüne sitzen würde.
Gerade dieser Anfang macht seine spätere Laufbahn bemerkenswert. Ambühl startete nicht mit einem Plan für Weltrekorde. Er nutzte eine Gelegenheit, spielte sich in die Mannschaft und kehrte über mehr als zwei Jahrzehnte immer wieder zurück.
Rückblickend betonte er dabei besonders die Gesundheit: Gute Leistungen allein reichten nicht, wenn eine Verletzung die Teilnahme verhinderte. Dass sein Körper so lange mitspielte, betrachtete er auch als Glück.
Unter Arno Del Curto: Vier Meistertitel und der Mut zum nächsten Schritt
Zwischen seinem ersten Meistertitel 2002 und dem Frühjahr 2009 entwickelte sich Andres Ambühl vom jungen Mannschaftsmitglied zu einem etablierten Schweizer Nationalspieler. Beim HC Davos erlebte er eine der erfolgreichsten Phasen der jüngeren Klubgeschichte.
Nach 2002 folgten weitere Schweizer Meistertitel in den Jahren 2005, 2007 und 2009. Als Ambühl mit 25 Jahren erstmals seinen Stammverein verliess, hatte er bereits vier Meisterschaften gewonnen.
Eine besondere Saison war 2004/05. Wegen des NHL-Lockouts spielten Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman für Davos. Ambühl gehörte damit zu einer Mannschaft, in der internationale Spitzenkräfte und Schweizer Leistungsträger gemeinsam um Titel kämpften. Im Frühjahr setzte sich der HCD im Final gegen die ZSC Lions durch.
Unter Arno Del Curto fand Ambühls Entwicklung über mehrere Jahre hinweg statt. Aus dem Nachwuchsspieler wurde ein Angreifer, dessen Leistungen auch ausserhalb der Schweiz Aufmerksamkeit erhielten. Der Meistertitel 2009 bildete vorerst den Abschluss dieses ersten Davoser Karriereabschnitts.
In jener Saison erzielte er über Meisterschaft und Playoffs hinweg 21 Tore und bereitete 27 weitere Treffer vor. Damit war er der fünftbeste Skorer seiner Mannschaft. Seine Wirkung liess sich längst auch an offensiven Zahlen ablesen.
Ambühl hätte in Davos bleiben können: bei einem erfolgreichen Verein, in vertrauter Umgebung, nahe seiner Heimat. Stattdessen entschied er sich für eine neue Herausforderung. Im Mai 2009 wurde sein Wechsel zu den New York Rangers bekannt.
Der Schritt war ein Wagnis. Vier Schweizer Meistertitel boten keine Garantie für einen Platz in der NHL. Doch Ambühl wollte herausfinden, ob er sich auch dort durchsetzen konnte.
Nordamerika 2009/10: Der NHL-Traum und ein schwieriges Jahr in Hartford
Im Mai 2009 nahmen die New York Rangers Andres Ambühl unter Vertrag. Für den vierfachen Schweizer Meister eröffnete sich damit die Möglichkeit, den nächsten Schritt auf der grössten Eishockeybühne der Welt zu versuchen.
Doch aus dem Vertrag wurde kein NHL-Einsatz. Die Saison 2009/10 verbrachte Ambühl bei Hartford Wolf Pack, dem damaligen Farmteam der Rangers in der American Hockey League. Dort bestritt er 64 Spiele. Der erhoffte Durchbruch in die Mannschaft aus dem Madison Square Garden blieb aus.
Für seine Lebensgeschichte ist dieses Jahr gerade deshalb wichtig. Ambühls Laufbahn bestand aus mehr als Meistertiteln und Rekorden. In Nordamerika erlebte er, dass sportliche Erfolge in der Heimat keine Fortsetzung unter anderen Bedingungen garantieren.
Im Rückblick hätte er sich einen anderen Verlauf gewünscht. In einem Interview gegen Ende seiner Karriere sagte er, vermutlich wäre eine andere Organisation die bessere Wahl gewesen; er hätte stärker auf sein Gefühl hören sollen. Das war seine persönliche Einschätzung mit dem Abstand vieler Jahre.
Den Versuch selbst bereute er dennoch nicht. Wer eine solche Gelegenheit bekomme, solle sie nach seiner Überzeugung nutzen. Auch ohne den erhofften Erfolg blieb die Gewissheit, diese Herausforderung angenommen zu haben.
Nach einer Saison kehrte Ambühl in die Schweiz zurück. Sein nächster Verein war allerdings nicht der HC Davos. Er entschied sich für die ZSC Lions – und damit für einen weiteren Schritt ausserhalb seiner vertrauten Umgebung.
Jahre später betrachtete er beide Stationen im Zusammenhang: Dem enttäuschenden Nordamerika-Abenteuer folgten drei Zürcher Jahre, die er ausdrücklich als schöne und wichtige Zeit seiner Karriere beschrieb.
Drei Jahre Zürich: Ein neues Zuhause und der Meistertitel 2012
Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika schloss sich Andres Ambühl 2010 den ZSC Lions an. Für den Davoser bedeutete dies einen weiteren Wechsel: Nach dem Jahr in Hartford setzte er seine Karriere in der Schweiz fort, aber erstmals ausserhalb seines Stammvereins.
Von 2010 bis 2013 trug er das Zürcher Trikot. Diese drei Spielzeiten verdienen einen eigenen Platz in seiner Geschichte. Wer Ambühls Laufbahn ausschliesslich als Geschichte eines Davoser Urgesteins erzählt, übersieht eine Station, die er selbst als besonders wertvoll beschrieb.
Im Frühjahr 2012 gewann er mit den ZSC Lions die Schweizer Meisterschaft. Nach vier Titeln mit Davos war es sein fünfter persönlicher Meistertitel – und der einzige, den er mit einem anderen Klub errang.
Jahre später erinnerte sich Ambühl ausgesprochen positiv an Zürich. Er habe sich dort sehr wohlgefühlt und die Organisation als familiär erlebt. Die Rückkehr nach Davos sei deshalb keineswegs eine einfache oder selbstverständliche Entscheidung gewesen.
Gerade diese Rückschau macht seine Heimatverbundenheit greifbar. Ambühl konnte sich auch anderswo einleben, Beziehungen aufbauen und sportlich erfolgreich sein. Davos blieb besonders, ohne dass er dafür seine Zeit in Zürich abwerten musste.
Nach drei Saisons kehrte er im Sommer 2013 zum HC Davos zurück. Er kam als erfahrenerer Spieler heim: mit einem Jahr im nordamerikanischen Profihockey, einem Meistertitel mit Zürich und Erfahrungen ausserhalb jener Umgebung, in der seine Karriere begonnen hatte.
Der nächste Davoser Abschnitt sollte länger dauern als der erste – und Ambühl endgültig zu einer Identifikationsfigur des Vereins machen.
2013: WM-Silber und die Rückkehr nach Davos
Das Jahr 2013 brachte Andres Ambühl zwei bedeutende Stationen: den ersten WM-Final seiner Karriere und die Rückkehr zum HC Davos.
Bei der Weltmeisterschaft in Stockholm gewann er mit der Schweiz die Silbermedaille. Für einen Spieler, der seit 2004 regelmässig zum WM-Aufgebot gehörte, erhielt dieser Erfolg eine besondere Bedeutung. Aus vielen Jahren internationaler Erfahrung wurde erstmals eine Medaille mit der A-Nationalmannschaft.
Ambühl hatte die Entwicklung des Schweizer Eishockeys aus nächster Nähe erlebt. Bei seiner ersten WM war er ein junger Spieler gewesen, der sich seinen Platz zwischen etablierten Nationalspielern erarbeiten musste. Neun Jahre später gehörte er selbst zu den Erfahrenen einer Mannschaft, die bis ins Endspiel vorstiess.
Im Sommer folgte die Rückkehr nach Davos. Nach einer Saison in Hartford und drei Jahren bei den ZSC Lions zog er wieder das blau-gelbe Trikot an. Er kehrte als fünffacher Schweizer Meister und frischgebackener WM-Silbermedaillengewinner zurück.
Dass er sich erneut für seinen Stammverein entschied, bedeutete allerdings nicht, dass er Zürich einfach hinter sich lassen wollte. Im späteren Rückblick betonte Ambühl, wie wohl er sich dort gefühlt hatte und wie schwierig die Entscheidung gewesen war.
Davos bekam einen Spieler zurück, der vertraut mit dem Verein war und zugleich Erfahrungen aus anderen Organisationen mitbrachte. Die Verbindung zu seiner Heimat erhielt damit ein neues Kapitel.
Dieses zweite Davoser Kapitel sollte bis zum Ende seiner Spielerkarriere dauern. Aus dem einstigen Nachwuchsspieler wurde zunehmend jener erfahrene Leistungsträger, mit dem eine ganze Generation von Fans den HC Davos verband.
2015: Als Captain zum sechsten Schweizer Meistertitel
Zwei Jahre nach seiner Rückkehr nach Davos gewann Andres Ambühl erneut die Schweizer Meisterschaft. Im Frühjahr 2015 führte er den HC Davos als Captain zum Titel. Es war sein fünfter Meisterschaftserfolg mit den Bündnern und sein sechster insgesamt – den Titel von 2012 hatte er mit den ZSC Lions gewonnen.
Damit schloss sich ein besonderer Kreis. Beim ersten Meistertitel 2002 war Ambühl ein 18-jähriger Spieler am Anfang seiner Laufbahn gewesen. Dreizehn Jahre später trug er selbst Verantwortung als Captain einer Meistermannschaft.
Die Erfolge spiegeln unterschiedliche Phasen seiner Entwicklung wider. Er hatte als junger Spieler seinen Platz gesucht, sich zum Nationalspieler entwickelt, den Schritt nach Nordamerika gewagt und in Zürich ein weiteres sportliches Umfeld kennengelernt. Nun brachte er diese Erfahrungen bei seinem Stammverein ein.
Seine Bedeutung für Davos zeigte sich auch in den Jahren nach diesem Triumph. Als der Klub Ende 2018 seine Vertragsverlängerung bekanntgab, beschrieb er Ambühl als Captain, Antreiber und Identifikationsfigur. In einer sportlich schwierigen Zeit war sein Verbleib ein wichtiges Zeichen der Kontinuität.
Der Meistertitel 2015 blieb der letzte seiner Spielerkarriere. Seine Geschichte beim HCD war damit aber noch lange nicht zu Ende. Es folgten zehn weitere Jahre, in denen sich Trainer, Mitspieler und Erwartungen veränderten.
Ambühl blieb über diese Wechsel hinweg ein vertrautes Gesicht. Seine spätere Stellung im Verein beruhte deshalb auf mehr als den gewonnenen Meisterschaften: Sie entstand auch durch die lange gemeinsame Zeit mit Mannschaft und Publikum, einschliesslich jener Spielzeiten, die ohne Pokal endeten.
2022: Der Tag, an dem Andres Ambühl WM-Geschichte schrieb
Am 21. Mai 2022 betrat Andres Ambühl in Helsinki das Eis für ein besonderes Spiel. Die Schweiz traf auf Kanada – und für den damals 38-Jährigen war es der 120. Einsatz an einer Weltmeisterschaft der höchsten Spielklasse.
Damit überholte er den Deutschen Udo Kiessling, der zuvor mit 119 WM-Partien die Bestmarke gehalten hatte. Kein Spieler hatte in diesem Wettbewerb häufiger auf dem Eis gestanden als der Angreifer aus Davos.
Bereits vor dem ersten Bully wurde Ambühl geehrt. Beide Mannschaften standen auf dem Eis, als eine Videowürdigung gezeigt wurde. Vertreter des internationalen und des Schweizer Verbandes überreichten ihm Geschenke. Für einen Moment rückte ein Spieler ins Zentrum, dessen Rekord über viele Jahre hinweg gewachsen war.
Sein erstes WM-Spiel hatte er am 25. April 2004 gegen Frankreich bestritten. Zwischen diesem Debüt und der Rekordpartie lagen achtzehn Jahre: unzählige Trainings, Klubsaisons, Vorbereitungsspiele und immer wieder die Bereitschaft, nach einer langen Saison nochmals für die Schweiz anzutreten.
Auch das Resultat passte zu diesem besonderen Anlass. Die Schweiz besiegte Kanada mit 6:3. Ambühl erinnerte sich später ausdrücklich an diese Verbindung von persönlichem Meilenstein und gemeinsamem Erfolg.
Der Rekord dokumentierte dabei mehr als Ausdauer. Für jedes weitere Turnier musste er gesund bleiben, seine Leistungen bestätigen und erneut einen Platz im Aufgebot verdienen.
Mit dem 120. WM-Spiel war seine Geschichte zudem nicht abgeschlossen. Ambühl spielte weiter. Als seine Laufbahn drei Jahre später endete, hatte er die Bestmarke auf 151 WM-Partien erhöht.
2024: Noch einmal WM-Silber – und ein Rekord am 10.10.
Elf Jahre nach der Silbermedaille von Stockholm stand Andres Ambühl 2024 erneut mit der Schweiz im WM-Final. In Prag gewann er seine zweite Silbermedaille mit der A-Nationalmannschaft. Mit 40 Jahren gehörte er weiterhin zu einem Team, das um den Weltmeistertitel kämpfte.
Zwischen den beiden Finalteilnahmen hatte sich das Schweizer Eishockey verändert. Neue Leistungsträger waren hinzugekommen, jüngere Spieler hatten Verantwortung übernommen. Ambühl verband diese Generation mit jener Mannschaft, die 2013 den Durchbruch bis ins Endspiel geschafft hatte.
Wenige Monate später folgte ein weiterer Meilenstein – diesmal im Trikot des HC Davos. Am 10. Oktober 2024 bestritt er gegen den SC Bern sein 1270. Spiel in der höchsten Schweizer Liga. Damit überholte er Beat Gerber und wurde alleiniger Rekordspieler.
Das Datum passte auffällig zur Rückennummer: Die Davoser Nummer 10 erreichte ihre Bestmarke am 10.10. Hinter dieser beinahe spielerischen Zahlenkombination stand allerdings eine Laufbahn von fast einem Vierteljahrhundert.
Ambühl hatte seine Einsätze seit der Saison 2000/01 gesammelt. Dazwischen lagen das Jahr in der AHL, drei Zürcher Spielzeiten, die Rückkehr nach Davos und zahlreiche internationale Turniere. Der Ligarekord entstand über all diese Stationen hinweg.
Auch an seinem Rekordabend blieb er sportlich beteiligt: Beim frühen Davoser Führungstreffer von Matej Stransky wurde ihm ein Assist gutgeschrieben. Der HCD gewann die Partie.
Die Ehrung galt damit einem Spieler, der weiterhin mitten im Wettbewerb stand. Seine Bilanz war noch nicht abgeschlossen. Bis zu seinem letzten National-League-Spiel im April 2025 sollte Ambühl die Bestmarke auf 1322 Einsätze erhöhen.
2025: Ein letztes Tor zum Abschied vom HC Davos
Im Februar 2025 gab Andres Ambühl bekannt, dass er seine Spielerkarriere nach der Saison beenden werde. Nach fast einem Vierteljahrhundert im Spitzenhockey bekam damit jeder weitere Einsatz eine zusätzliche Bedeutung: Die letzten gemeinsamen Wochen mit der Mannschaft hatten begonnen.
Sein letztes Klubspiel folgte am 10. April 2025. Im sechsten Playoff-Halbfinal gegen die ZSC Lions kämpfte Davos darum, die Saison zu verlängern. Ausgerechnet gegen jenen Verein, mit dem Ambühl 2012 Schweizer Meister geworden war, endete nun seine Laufbahn im Schweizer Klubhockey.
In der 56. Minute erzielte er nochmals ein Tor. Mit einem Ablenker verkürzte er auf 3:6 und gab Davos einen letzten Hoffnungsschimmer. Die Partie endete dennoch mit einer 4:6-Niederlage. Zürich zog in den Final ein, für den HCD war die Saison vorbei.
Für Ambühl war es der 1322. Einsatz in der höchsten Schweizer Liga. Zu dieser Bilanz gehörten 221 Playoff-Spiele. Auch diese Zahl zeigt, wie häufig er nach der regulären Saison noch um die entscheidenden Siege gekämpft hatte.
Mit ihm beendete auch Marc Wieser seine Spielerkarriere. Davos verabschiedete damit zwei langjährige Leistungsträger, deren Namen für viele Fans eng mit dem Verein verbunden waren.
Ambühls Abschied vom Klubhockey war jedoch noch nicht sein letzter Auftritt als Spieler. Eine mögliche Teilnahme an der Weltmeisterschaft stand weiterhin im Raum. Nach dem Saisonende beim HCD erklärte er sich bereit, nochmals für die Schweiz anzutreten.
So öffnete sich nach dem letzten Davoser Kapitel die Tür zu einem letzten internationalen Turnier: seiner zwanzigsten Weltmeisterschaft.
Die letzte WM 2025: Ein Hattrick mit 41 und ein Abschied auf der grössten Bühne
Im Mai 2025 reiste Andres Ambühl zu seiner zwanzigsten und letzten Weltmeisterschaft. Seine Klubkarriere war bereits beendet, doch im Schweizer Nationaltrikot stand noch ein letztes Turnier bevor.
Am 18. Mai gelang ihm gegen Ungarn ein besonderer Auftritt. Beim 10:0-Sieg erzielte er drei Tore. Mit 41 Jahren, acht Monaten und fünf Tagen wurde Ambühl zum ältesten Hattrick-Schützen der WM-Geschichte.
Selbst nach zwei Jahrzehnten auf dieser Bühne konnte er damit noch eine neue Bestmarke setzen. Der dreifache Torerfolg war zugleich ein sportlicher Beitrag in einem Turnier, das die Schweiz erneut bis ins Endspiel führen sollte.
Am 25. Mai 2025 bestritt Ambühl in Stockholm den WM-Final gegen die USA. Es war sein 151. WM-Spiel und der letzte Einsatz seiner Karriere. Die Schweiz verlor in der Verlängerung. Wie 2013 und 2024 blieb ihm die Silbermedaille.
Nach dem Spiel richtete Ambühl den Blick auf die Mannschaft. Der persönliche Abschied stand für ihn hinter dem gemeinsamen Ziel zurück: Die Schweiz hatte Gold gewinnen wollen. Dass seine Laufbahn gerade in diesem Moment endete, machte die Niederlage nicht weniger schmerzhaft.
Er verliess das Eis mit seiner dritten WM-Silbermedaille und einer aussergewöhnlichen Bilanz: 352 Länderspiele, zwanzig Weltmeisterschaften und 151 WM-Partien.
Zwischen dem jungen WM-Debütanten von 2004 und diesem letzten Final lagen mehr als zwanzig Jahre. Ambühl hatte den Aufstieg der Schweiz zum wiederholten Finalisten miterlebt und mitgestaltet. Sein letzter Einsatz fand dort statt, wo jede Mannschaft am Ende eines Turniers stehen möchte: im Spiel um Gold.
Der Mensch hinter der Nummer 10: Familie, Fairness und die Freude am Spiel
Wer Andres Ambühls Karriere nur anhand seiner Rekorde erzählt, lässt einen wichtigen Teil aus. In seinen Interviews sprach er auch über die Menschen um ihn herum, über seine Familie und darüber, was ihm am Eishockey Freude machte.
Die langen Abwesenheiten gehörten zur Kehrseite seiner Nationalmannschaftskarriere. Gegen Ende seiner Laufbahn erzählte Ambühl, dass seine beiden Töchter inzwischen fragten, wann er wieder nach Hause komme. Hinter jeder zusätzlichen WM-Teilnahme standen damit auch Wochen, in denen seine Familie auf ihn verzichten musste.
Bei seiner Aufnahme in die IIHF Hall of Fame 2026 dankte er seiner Frau ausdrücklich für ihre Unterstützung und die Entbehrungen während seiner Abwesenheiten. Gerade seit der Geburt ihrer Kinder habe dieses Engagement besonderes Gewicht gehabt. Die Ehrung machte sichtbar, dass eine solche Laufbahn auch von Menschen mitgetragen wird, die selten im Mittelpunkt stehen.
Auch über den Umgang miteinander äusserte sich Ambühl klar. Gegner waren für ihn während eines Spiels Konkurrenten; danach sollte gegenseitiger Respekt selbstverständlich bleiben. Dass ihn auch Fans anderer Vereine schätzten, empfand er als etwas Schönes.
Seinen Kindern wollte er ermöglichen, draussen zu spielen und Zeit mit anderen Kindern zu verbringen. Gleichzeitig wusste er, dass digitale Geräte zu ihrem Alltag gehören würden. Er suchte einen Mittelweg, statt die Gegenwart pauschal abzulehnen.
Besonders aufschlussreich war seine Antwort auf die Frage, ob er Hockey je wirklich als Arbeit empfunden habe. Für Ambühl blieb es vor allem Spiel und Freude. Diese Haltung erklärt einen Teil seiner Ausstrahlung: Trotz aller Professionalität und aller
Eine Nummer für die Ewigkeit: Die Schweiz zieht Ambühls 10 zurück
Nach dem Karriereende folgte eine Ehrung, die es im Schweizer A-Nationalteam zuvor noch nie gegeben hatte. Im Rahmen der Swiss Ice Hockey Night 2025 gab der Verband bekannt, dass Andres Ambühls Rückennummer 10 nicht mehr vergeben wird.
Damit wurde erstmals eine Nummer in der Geschichte der Schweizer A-Nationalmannschaft offiziell zurückgezogen. Aus einer Zahl auf dem Trikot wurde ein dauerhaftes Zeichen der Anerkennung.
Für Ambühl besass diese Nummer längst eine persönliche Geschichte. Als junger Spieler hatte er sie nach seinem Vorbild Pawel Bure gewählt. Über die folgenden Jahrzehnte verbanden die Schweizer Fans die 10 zunehmend mit ihm selbst.
Die Ehrung würdigte seine aussergewöhnliche Laufbahn im Nationalteam: 352 Länderspiele, zwanzig Weltmeisterschaften, 151 WM-Partien und drei Silbermedaillen. Dazu kamen fünf Teilnahmen an Olympischen Winterspielen.
Dass die Anerkennung über seine unmittelbaren Anhänger hinausreichte, zeigte sich auch bei den Publikumswahlen. Nach Angaben von Swiss Ice Hockey wurde Ambühl im Verlauf seiner Karriere neunmal zum Most Popular Player gewählt.
Die zurückgezogene Nummer macht sein Vermächtnis für kommende Generationen sichtbar. Neue Spieler werden das Schweizer Trikot tragen, ihre eigenen Geschichten schreiben und um internationale Erfolge kämpfen. Die Nummer 10 bleibt dabei mit einem Spieler verbunden, der dieses Team über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet hat.
Für den Jungen aus dem Sertigtal war daraus eine besondere Form sportlicher Erinnerung geworden: Seine aktive Zeit war beendet, sein Platz in der Geschichte der Nationalmannschaft blieb.
2026: Aufnahme in die IIHF Hall of Fame
Am 31. Mai 2026 erhielt Andres Ambühl in Zürich eine der höchsten internationalen Ehrungen seines Sports: die Aufnahme in die Hall of Fame der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF.
Normalerweise müssen nach dem Karriereende mindestens zwei Jahre vergehen, bevor ein Spieler aufgenommen werden kann. Für Ambühl machte das zuständige Komitee eine Ausnahme. Nur ein Jahr nach seinem letzten WM-Final wurde seine Laufbahn bereits auf dieser internationalen Bühne gewürdigt.
Die IIHF hob insbesondere seine einzigartigen WM-Rekorde hervor: 151 Spiele und zwanzig Turnierteilnahmen. Auch seine Silbermedaille mit der Schweizer U18-Auswahl 2001 und die späteren drei Silbermedaillen mit dem A-Nationalteam gehörten zu diesem Lebenswerk.
Bei seiner Rede sprach Ambühl darüber, wie frei er sich beim Eishockeyspielen gefühlt hatte. Die Weltmeisterschaften seien für einen Schweizer Spieler seiner Generation eine besondere Gelegenheit gewesen, sich mit den Besten zu messen.
Damit beschrieb er den Wert seiner internationalen Karriere aus einer persönlichen Perspektive. Hinter den Rekorden stand über viele Jahre die Möglichkeit, Herausforderungen anzunehmen, gegen starke Gegner anzutreten und gemeinsam mit der Mannschaft besser zu werden.
Die Ehrung fand am Finaltag der Heim-Weltmeisterschaft statt. Für Ambühl, dessen letzte eigene WM erst ein Jahr zurücklag, verbanden sich dadurch Erinnerung und Gegenwart an einem besonderen Ort.
Aus dem Davoser Nachwuchsspieler war ein Mitglied der internationalen Ruhmeshalle geworden. Seine Geschichte hatte im Sertigtal begonnen; ihre Bedeutung reichte inzwischen weit über den HC Davos und die Schweizer Nationalmannschaft hinaus.
Fazit: Was von Andres Ambühl bleibt
Andres Ambühls Karriere lässt sich in eindrücklichen Zahlen zusammenfassen. Doch ihre Bedeutung wird erst sichtbar, wenn man die Stationen dahinter betrachtet: die Kindheit im Sertigtal, die ersten Einsätze beim HC Davos, vier frühe Meistertitel, das schwierige Jahr in Hartford, die erfolgreiche Zeit in Zürich und die lange Rückkehr zu seinem Stammverein.
Sein Weg verlief nicht ohne Enttäuschungen. Der NHL-Traum erfüllte sich nicht. Drei WM-Finals endeten mit Silber. Auch sein letztes Klubspiel ging verloren. Diese Erfahrungen gehören ebenso zu seiner Geschichte wie Pokale, Rekorde und Ehrungen.
Über die Jahre musste Ambühl seinen Platz immer wieder neu behaupten. Aus dem jungen Spieler wurde ein Leistungsträger, aus dem Leistungsträger ein Captain und schliesslich ein erfahrener Mitspieler für eine neue Generation. Seine lange Laufbahn erforderte die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln.
Für Davos bleibt er ein Spieler aus der eigenen Region, der hinausging, Erfahrungen sammelte und zurückkehrte. Für die Nationalmannschaft steht seine Nummer 10 für mehr als zwei Jahrzehnte internationaler Einsätze. Die Aufnahme in die IIHF Hall of Fame würdigt diese Leistung auch über die Schweiz hinaus.
Vielleicht liegt ein wichtiger Teil seiner Geschichte darin, dass er bei all dem die Freude am Spiel bewahrte. Weltrekorde waren das Ergebnis dieser Laufbahn. Angefangen hatte sie mit einem Kind, das Eishockey spielen wollte.
Aus diesem Kind wurde «Büeli»: Schweizer Meister, WM-Rekordspieler und eine der prägenden Persönlichkeiten des Schweizer Eishockeys.
Quellen und weiterführende Informationen
Dieses Porträt stützt sich auf Veröffentlichungen des internationalen Eishockeyverbands IIHF, Berichte von SRF und Keystone-SDA sowie Interviews mit Andres Ambühl. Persönliche Einschätzungen wurden seinen veröffentlichten Aussagen entnommen.
• IIHF: Würdigung anlässlich seines 120. WM-Spiels im Jahr 2022
https://www.iihf.com/en/events/2020/wm/news/35146/andres_ambuhl_king_of_the_worlds
• IIHF: Aufnahme in die Hall of Fame 2026
https://www.iihf.com/en/events/2023/wm/news/74775/welcome_iihf_hall_of_fame_class_of_2026
• Keystone-SDA / watson: Karriereinterview mit Andres Ambühl vom Mai 2025
https://www.watson.ch/sport/interview/799139756-eishockey-wm-andres-ambuehl-ueber-seine-zukunft-und-die-hockey-nati
• SRF: Karrierebilanz nach 1322 Spielen in der höchsten Schweizer Liga
https://www.srf.ch/sport/eishockey/national-league/nach-1322-spielen-rekordmann-ambuehl-tritt-ab
• SRF: Ambühls Rekorde und Meilensteine im Überblick
https://www.srf.ch/sport/eishockey/national-league/rekordmann-ambuehl-in-zahlen-titelkaempfe-ohne-ende-und-liebling-der-fans
• HC Davos: Offizielle Klubgeschichte
https://www.hcd.ch/de/der-hcd/geschichte
Stand des Porträts: November 2026.
Bild: KI-bearbeitetes Porträt von Andres Ambühl. Der von Davos inspirierte Stadionhintergrund, die Beleuchtung und der Schriftzug wurden mithilfe künstlicher Intelligenz gestaltet und zeigen keine tatsächlich fotografierte Szene.
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