Joe Thornton und der HC Davos: Wie ein NHL-Star in der Schweiz eine zweite Heimat fand

Published on 4 November 2026 at 19:27
Joe Thornton im blau-gelben Trikot vor dem verschneiten Davoser Eisstadion, mit kanadischer Flagge und dem Schriftzug «Von Kanada nach Davos»

Im Februar 2025 stand Joe Thornton bei einem Nachwuchsturnier in Québec hinter der Bande. Er trug eine Jacke des HC Davos. Als der Davoser Junior Mirco Christoffel seinen Penalty verwandelte, klatschte Thornton begeistert. An der Seite von Trainer Michel Riesen begleitete er eine Schweizer U13-Auswahl bei ihrer Premiere am Québec International Pee-Wee Hockey Tournament. Unter den Spielern war auch sein Sohn River.

Dass die Davoser überhaupt antreten konnten, hatte auch mit Thornton zu tun. Er hatte seine Kontakte genutzt, um dem HCD zu einem Startplatz zu verhelfen. Für die Junioren war es die Gelegenheit, sich in Kanada mit anderen Nachwuchsteams zu messen. Für Thornton führte die Reise in die entgegengesetzte Richtung wie jene, die zwanzig Jahre zuvor sein Leben verändert hatte.

2004 brachte ihn der NHL-Lockout nach Davos. Der damals 25-jährige Captain der Boston Bruins wollte während des Arbeitskampfs Eishockey spielen. Unter Arno Del Curto gewann er mit dem HCD im Dezember den Spengler Cup und im folgenden Frühling die Schweizer Meisterschaft. In Davos lernte er auch Tabea Pfendsack kennen, seine spätere Frau. Die Familie kehrte über die Jahre immer wieder zurück. Thornton selbst spielte noch zweimal für den HCD und besass bei seinem dritten Engagement 2020 bereits den Schweizer Pass.

In Nordamerika kannten ihn die Fans als «Jumbo Joe», den Mittelstürmer mit 1109 NHL-Assists, der nach einem Transfer mitten in der Saison sowohl die Art Ross Trophy als auch die Hart Trophy gewann. In Davos erlebte man ihn in anderen Rollen: als Mitspieler einer Meistermannschaft, als Gegner von Team Canada im Spengler-Cup-Final und später als Co-General Manager der Kanadier beim selben Turnier. In Québec stand er wieder auf der Davoser Seite. Diesmal half er jungen Spielern, ihre eigenen Erfahrungen jenseits des Atlantiks zu machen.

Vor Davos: Wie der Junge aus St. Thomas Captain der Boston Bruins wurde

Als Joe Thornton 2025 in die Hockey Hall of Fame aufgenommen wurde, begann seine Geschichte im Keller seines Elternhauses an der Crescent Avenue in St. Thomas, Ontario. Dort spielte er mit seinen Brüdern auf den Knien Hockey. Sie stellten sich vor, sie seien die Stars, denen sie zuschauten: Bobby Orr, Wayne Gretzky oder Mario Lemieux. In seiner Rede erinnerte sich Thornton auch daran, wie früh ihm das Spiel Freundschaften brachte. Jahrzehnte später waren es solche Beziehungen, die ihn immer wieder nach Davos führten.

Sein Weg in die NHL begann bei den Sault Ste. Marie Greyhounds in der Ontario Hockey League. In der Saison 1995/96 wurde er zum Rookie des Jahres der Canadian Hockey League gewählt. Nach zwei Juniorensaisons zogen ihn die Boston Bruins beim NHL-Draft 1997 an erster Stelle. Im Oktober desselben Jahres bestritt er mit 18 Jahren sein erstes NHL-Spiel.

In Boston nahm ihn der frühere Bruins-Stürmer Johnny Bucyk unter seine Fittiche. Thornton erinnerte sich später daran, wie sich ehemalige Bruins auch abseits der Halle Zeit für ihn nahmen. Sie gingen mit ihm essen oder spielten mit ihm Golf. Bucyk, den alle «Chief» nannten, blieb ihm aus diesen ersten Jahren besonders in Erinnerung.

Auf dem Eis übernahm Thornton immer mehr Verantwortung. Bereits 1999/2000 führte er die Bruins bei Toren, Assists und Punkten an. Später wurde er Captain. In der Saison 2002/03 durchbrach er erstmals die Marke von 100 NHL-Punkten: 36 Tore und 65 Assists ergaben zusammen 101 Punkte. Als er in Davos unterschrieb, kam also ein Mittelstürmer, der eine der traditionsreichsten NHL-Mannschaften anführte und zu den besten Skorern der Liga gehörte.

Im Juli 2004 unterschrieb Thornton beim HC Davos. Im September gewann er mit Kanada den World Cup of Hockey. Die NHL-Saison, die darauf hätte folgen sollen, fiel wegen des Lockouts vollständig aus. Für den 25-Jährigen bot Davos die Möglichkeit, weiter auf hohem Niveau zu spielen. Wie viel dieser Entscheid für sein Leben bedeuten würde, konnte er damals kaum ahnen.

2004/05: Der NHL-Lockout bringt Joe Thornton nach Davos

Joe Thornton war 25 Jahre alt und Captain der Boston Bruins, als er im Sommer 2004 beim HC Davos unterschrieb. Der Arbeitskampf in Nordamerika legte die NHL für eine ganze Saison still. Was als vorübergehendes Engagement begann, wurde für Thornton zu einem Winter mit zwei Titeln und einer Begegnung, die sein Leben verändern sollte.

Arno Del Curto bekam in jener Saison gleich drei Stürmer aus der NHL. Neben Thornton kamen von den Columbus Blue Jackets und Niklas Hagman von den Florida Panthers. Sie stiessen zu einer Mannschaft, in der Josef Marha bereits eine wichtige Rolle spielte und der junge Andres Ambühl auf dem Weg zum etablierten Nationalspieler war. Wie gut sich die Verstärkungen und die bisherigen Davoser Spieler ergänzten, zeigte sich im Verlauf des Winters.

Die erste Gelegenheit bot der Spengler Cup im Dezember. Vor heimischem Publikum erreichte Davos den Final und bezwang Sparta Prag mit 2:0. Für Thornton war es der erste Titel mit dem HCD. Acht Jahre später sollte er an demselben Turnier noch einmal für Davos im Final stehen, dann ausgerechnet gegen Team Canada.

In der Schweizer Meisterschaft traf der HCD im Frühling 2005 im Final auf die ZSC Lions. Thornton war der produktivste Spieler der Playoffs. In 14 Partien erzielte er vier Tore und bereitete 20 weitere vor. Seine Bilanz zeigte, was ihn als Mittelstürmer so wertvoll machte. Er konnte selbst abschliessen und schuf mit seinen Pässen immer wieder Chancen für seine Mitspieler.

Davos ging mit einer 3:1-Serienführung ins fünfte Finalspiel. Zürich erzwang die Verlängerung, doch dort traf Josef Marha zum 3:2. Sein Tor sicherte dem HCD den Schweizer Meistertitel. Thornton hatte damit in seinem ersten Davoser Winter sowohl den Spengler Cup als auch die Meisterschaft gewonnen.

Der entscheidende Grund für seine späteren Rückkehrten entstand abseits des Eises. In Davos lernte Thornton Tabea Pfendsack kennen, seine spätere Frau. Als die NHL den Spielbetrieb wieder aufnahm, ging er nach Nordamerika zurück. Davos blieb Teil seines Lebens.

Tabea und Davos: Wie aus einem Gastspiel eine zweite Heimat wurde

Joe Thornton war nach Davos gekommen, um während des NHL-Lockouts Eishockey zu spielen. In seinem ersten Winter lernte er dort Tabea Pfendsack kennen. 2009 heirateten die beiden. Inzwischen spielte Thornton für die San Jose Sharks, und sein Berufsleben verlagerte sich an die amerikanische Westküste. Davos blieb trotzdem ein fester Teil des Familienlebens.

Joe und Tabea verbrachten mit ihren Kindern regelmässig einen Teil des Sommers in Davos. Das waren auch Jahre, in denen Thornton kein einziges Spiel für den HCD bestritt. Seine Verbindung zum Ort lässt sich deshalb nur zum Teil an den drei Engagements beim Klub ablesen. Zwischen den Einsätzen lagen viele Sommer, in denen die Familie zurückkam und Thornton den Kontakt zur Mannschaft pflegte.

Als er im Herbst 2020 zum dritten Mal für den HCD unterschrieb, hatte er bereits mit der Mannschaft trainiert. Diesmal besass er auch den Schweizer Pass. Das hatte eine konkrete Folge für den Klub: Davos konnte ihn einsetzen, ohne eine Ausländerlizenz zu beanspruchen. Sechzehn Jahre nach seinem ersten Wechsel in die Schweiz war Thornton mit 41 noch einmal Teil des Teams.

Wie viel ihm Tabeas Begleitung bedeutete, wurde bei seiner Aufnahme in die Hockey Hall of Fame 2025 sichtbar. Thornton hatte von den Spielen im Keller seines Elternhauses erzählt, von seinen ersten Jahren in Boston und vom Olympiasieg mit Kanada. Als er auf Tabea und ihre Kinder zu sprechen kam, wurde er sichtlich emotional. Er bedankte sich bei ihr dafür, dass sie diesen Weg mit ihm gegangen war.

Die Verbindung der Familie zum HCD zeigte sich inzwischen auch auf dem Eis. Ihr Sohn River spielte 2025 für die Davoser U13-Auswahl beim Pee-Wee-Turnier in Québec. Joe stand in einer HCD-Jacke hinter der Bande. Gut zwanzig Jahre zuvor hatte er Kanada verlassen, um für Davos zu spielen. Nun war er in Kanada dabei, als sein Sohn für Davos aufs Eis ging.

2005/06: Wie Joe Thornton nach einem Transfer mitten in der Saison zum NHL-MVP wurde

Wenige Monate nach dem Schweizer Meistertitel mit dem HC Davos stand Joe Thornton wieder als Captain der Boston Bruins auf dem Eis. Am 30. November 2005 tauschten ihn die Bruins gegen Brad Stuart, Marco Sturm und Wayne Primeau von den San Jose Sharks. Thornton war 26 und hatte seit seinem NHL-Debüt ausschliesslich für Boston gespielt. Nun musste er sich mitten in der Saison bei einem neuen Klub zurechtfinden.

Bei seiner Aufnahme in die Hockey Hall of Fame erinnerte sich Thornton daran, wie schwer ihm die ersten Stunden nach dem Transfer gefallen waren. Dann sah er in dem Wechsel eine Chance. Er stand im besten Eishockeyalter und konnte an der Westküste neu anfangen. In San Jose fand er sich schnell zurecht. In seiner Rede erzählte er, wie leicht es ihm dort bald wieder fiel, jeden Tag in die Halle zu gehen.

Am Ende der Saison standen 29 Tore und 96 Assists zu Buche. Seine 125 Punkte für Boston und San Jose zusammen machten ihn zum besten Skorer der NHL. Thornton war der erste Spieler, der die Art Ross Trophy nach einem Transfer im Verlauf derselben Saison gewann. Dazu kam die Hart Trophy als wertvollster Spieler der Liga. Ein Jahr zuvor hatte er noch die Schweizer Playoffs als bester Skorer abgeschlossen.

In der folgenden Saison gelangen ihm 92 weitere Assists. Vor ihm hatten nur Wayne Gretzky und Mario Lemieux in zwei NHL-Spielzeiten hintereinander mindestens 90 Tore vorbereitet. Thornton führte die Liga sogar drei Saisons in Folge bei den Assists an. Seine Pässe machten ihn zu einem Mittelstürmer, um den San Jose über Jahre seine Offensive aufbauen konnte.

Thornton spielte fünfzehn Saisons für die Sharks. Seine 804 Assists in der regulären Saison waren bei seinem Abschied Klubrekord. 2016 erreichte San Jose mit ihm erstmals den Stanley-Cup-Final. Über seine gesamte NHL-Karriere sammelte Thornton 1109 Assists, mehr als 700 davon nach jener Saison, in der ihn Boston abgegeben hatte.

San Jose wurde der Mittelpunkt seiner NHL-Karriere. Davos blieb ein Ort, an den er mit Tabea und der Familie zurückkehrte. Als 2012 der nächste NHL-Lockout begann, unterschrieb er erneut beim HCD. Diesmal kannte er die Mannschaft und den Ort längst. Am Spengler Cup sollte er ausgerechnet gegen Team Canada um den Titel spielen.

2012: Zurück beim HC Davos und im Spengler-Cup-Final gegen Kanada

Im September 2012 führte ein weiterer NHL-Lockout Joe Thornton zum HC Davos zurück. Acht Jahre waren seit seinem ersten Wechsel in die Schweiz vergangen. Inzwischen hatte er die NHL-Skorerwertung gewonnen, mit Kanada Olympiagold geholt und mit Tabea eine Familie gegründet. Davos kannten sie längst auch von ihren gemeinsamen Sommeraufenthalten. Mit Rick Nash kehrte zudem ein Mitspieler aus dem Davoser Meisterwinter 2004/05 zurück.

Der Lockout veränderte auch den Spengler Cup. Weil der NHL-Spielbetrieb im Dezember noch ruhte, konnte Team Canada mit einer besonders stark besetzten Auswahl antreten. Thornton spielte für den Gastgeber. Auf der anderen Seite stand das Team jenes Landes, das er bei den Olympischen Winterspielen 2006 und 2010 vertreten hatte. In Vancouver hatte er mit Kanada Gold gewonnen. Nun ging es für ihn mit Davos um einen zweiten Spengler-Cup-Sieg.

Am 31. Dezember trafen der HCD und Team Canada im Final aufeinander. Die Kanadier setzten sich mit 7:2 durch und gewannen das Turnier zum zwölften Mal. Acht Jahre zuvor hatte Thornton an derselben Stelle den Pokal im Davoser Trikot gewonnen. Diesmal feierte Kanada auf dem Eis, auf dem er für seinen Schweizer Klub spielte.

In diesem Final trafen zwei Teile seiner Laufbahn aufeinander. Für Kanada hatte Thornton auf der grössten internationalen Bühne gespielt. Mit Davos war er Schweizer Meister geworden, und in der Stadt hatte er Tabea kennengelernt. An diesem Silvestertag sassen die beiden Mannschaften auf gegenüberliegenden Bänken.

Nach seiner Spielerkarriere sollte Thornton am Spengler Cup erneut die Seite wechseln. Dann half er als Co-General Manager bei der Zusammenstellung jener kanadischen Auswahl, gegen die er 2012 im Final gestanden hatte.

2020: Mit 41 Jahren ein drittes Mal beim HC Davos

Im Oktober 2020 zog Joe Thornton zum dritten Mal das Trikot des HC Davos an. Nach fünfzehn Spielzeiten bei den San Jose Sharks stand für ihn ein Wechsel zu den Toronto Maple Leafs bevor. Die Pandemie hatte den NHL-Spielplan durcheinandergebracht. Bis zum verspäteten Saisonstart in Nordamerika konnte er in der Schweiz wieder Ernstkämpfe bestreiten.

Thornton hatte bereits im Sommer mit dem HCD trainiert. Er kannte die Abläufe im Klub und war mit Tabea und der Familie über die Jahre immer wieder nach Davos zurückgekehrt. Als sich die Gelegenheit für ein befristetes Engagement ergab, konnte er in einer Mannschaft einsteigen, mit der er schon auf dem Eis gestanden hatte.

Bei diesem dritten Gastspiel besass Thornton bereits den Schweizer Pass. Dadurch konnte der HCD ihn einsetzen, ohne eine Ausländerlizenz zu beanspruchen. Sechzehn Jahre nach seiner Ankunft als Lockout-Verstärkung spielte er nun als Schweizer Staatsbürger für denselben Klub.

Mit 41 Jahren erzielte er in zwölf National-League-Partien fünf Tore und bereitete sechs weitere vor. Fast ein Punkt pro Spiel war eine beachtliche Ausbeute für einen Spieler, der sich in Davos auf seine nächste NHL-Saison vorbereitete.

Im Dezember rief Toronto ihn nach Nordamerika zurück. Der Spengler Cup 2020 fiel wegen der Pandemie aus. So blieb es in diesem Herbst bei seinen zwölf Meisterschaftsspielen für den HCD.

Thornton spielte anschliessend je eine NHL-Saison für Toronto und die Florida Panthers. Im Oktober 2023 gab er seinen Rücktritt bekannt. Wenige Wochen später führte ihn der Spengler Cup wieder nach Davos. Diesmal half er bei der Auswahl der Spieler, die für Team Canada antreten würden.

2023 und 2024: Wie Joe Thornton Team Canada für den Spengler Cup mit aufbaute

Wenige Tage nach Joe Thorntons Rücktritt aus der NHL gab Hockey Canada im November 2023 bekannt, dass er als Co-General Manager zum Spengler Cup zurückkehren würde. Er teilte sich die Aufgabe mit Brad Pascall von den Calgary Flames. Als Assistent kam Hnat Domenichelli dazu, der damalige Sportchef des HC Lugano. Für Thornton war es das erste internationale Turnier in einer Managementfunktion.

Gemeinsam stellten sie den Trainerstab und das Aufgebot für das Dezemberturnier zusammen. Pascall brachte Erfahrung aus der NHL und dem kanadischen Verband mit. Domenichelli kannte das Schweizer Klubeishockey aus seiner Arbeit in Lugano. Thornton wiederum hatte Kanada an Olympischen Spielen vertreten und den Spengler Cup zweimal als Spieler des Gastgebers erlebt. Er wusste, wie es sich anfühlte, in Davos vor dem Heimpublikum einen Final zu bestreiten.

2024 kehrte das Trio in denselben Rollen zurück. Am Weihnachtstag schaute Thornton zunächst beim Training der Kanadier zu. Später ging er beim traditionellen Familien-Eislaufen selbst aufs Ausseneis. Fans hielten ihn für Gespräche und Fotos an. Am nächsten Tag eröffnete Team Canada das Turnier gegen den HC Davos. Zwölf Jahre nach dem Final, in dem Thornton für den HCD gegen Kanada gespielt hatte, war er nun an der Zusammenstellung des kanadischen Teams beteiligt.

Davos kannte er längst auch abseits des Stadions. Hier hatte er Tabea kennengelernt, hier verbrachte die Familie regelmässig einen Teil des Sommers. Sein erster internationaler Job als Co-General Manager führte ihn damit ausgerechnet an den Ort, der für ihn zur zweiten Heimat geworden war.

Wenige Wochen nach dem Spengler Cup 2024 stand Thornton bei einem anderen Turnier wieder in einer HCD-Jacke an der Bande. Diesmal ging es um eine Schweizer U13-Auswahl in Québec. Damit die Davoser Junioren dort überhaupt antreten konnten, hatte Thornton zuvor seine Kontakte in Kanada genutzt.

2025 und 2026: Wie Joe Thornton den HCD-Junioren den Weg nach Québec öffnete

Weniger als zwei Monate nach dem Spengler Cup 2024 stand Joe Thornton wieder in einer Jacke des HC Davos an der Bande. Diesmal war er in Québec, wo der HCD erstmals eine U13-Auswahl zum Québec International Pee-Wee Hockey Tournament schickte. Der Klub schreibt Thornton einen Anteil daran zu, dass es überhaupt zur Premiere kam: Er nutzte seine Kontakte, um dem HCD zu einem Startplatz zu verhelfen.

Die Vorbereitungen hatten bereits im November 2024 mit einem Auswahlcamp in Davos begonnen. Ein grosser Teil der Mannschaft kam aus dem HCD-Nachwuchs. Dazu stiessen Spieler aus anderen Schweizer Vereinen, unter anderem aus Bern, Zug, Thurgau und Thun. Sie mussten in kurzer Zeit zu einer Mannschaft zusammenfinden, bevor sie in Kanada in der zweithöchsten Turnierkategorie antraten.

In Québec führte der ehemalige HCD-Stürmer Michel Riesen die Auswahl. Thornton blieb die Woche über beim Team und unterstützte ihn an der Bande. Sein Sohn River spielte für die Davoser Auswahl. Als der HCD-Junior Mirco Christoffel einen Penalty verwandelte, klatschte Thornton begeistert. Nach einer 1:2-Niederlage gegen die Québec Remparts im dritten Spiel war das Turnier für Davos zu Ende.

Im Februar 2026 kehrte der HCD mit einer weiteren Auswahl nach Québec zurück. Diesmal führte der Klub Thornton offiziell als Assistenztrainer an der Seite von Headcoach Michel Riesen. River stand erneut im Aufgebot. Damit bekamen auch Junioren, die bei der Premiere noch nicht dabei gewesen waren, die Gelegenheit, in Kanada anzutreten.

2004 war Thornton aus Kanada nach Davos gekommen, weil er während des NHL-Lockouts einen Ort zum Spielen suchte. Gut zwanzig Jahre später half er Davoser Junioren, in Kanada aufs Eis zu kommen. Als sie dort antraten, war er selbst an der Bande dabei.

San Jose ehrt die Nummer 19 – und Joe Thornton kommt in die Hockey Hall of Fame

Am 23. November 2024 zogen die San Jose Sharks Joe Thorntons Nummer 19 unter das Hallendach. Nach Patrick Marleau war er erst der zweite Spieler in der Geschichte des Klubs, dessen Rückennummer nicht mehr vergeben wird. Thornton bedankte sich bei Marleau, mit dem er über Jahre das Eis und auf Reisen auch das Zimmer geteilt hatte. Aus der gemeinsamen Zeit war eine Freundschaft entstanden.

Thornton hatte in 1104 Qualifikationsspielen für San Jose 1055 Punkte gesammelt. Seine 804 Assists waren Klubrekord. 2016 erreichte er mit den Sharks den ersten Stanley-Cup-Final der Vereinsgeschichte. Dort setzte sich Pittsburgh durch. Einen Stanley Cup gewann Thornton in seiner Karriere nie. Wie lange er und Marleau auf höchstem Niveau spielten, zeigte ein Abend im Dezember 2019: Sie waren die ersten NHL-Teamkollegen, die gemeinsam in einer Partie aufliefen, nachdem beide bereits je 1600 Qualifikationsspiele absolviert hatten.

Über seine gesamte NHL-Karriere kam Thornton auf 1714 Spiele in der regulären Saison. Mit 430 Toren und 1109 Assists erzielte er 1539 Punkte. In den Playoffs kamen 134 Punkte in 187 Partien hinzu. Zwischen seinem NHL-Debüt 1997 und seinem letzten Einsatz 2022 sammelte kein Spieler in der regulären Saison mehr Punkte oder Assists. Die 125 Punkte aus der Saison seines Transfers von Boston nach San Jose blieben sein persönlicher Höchstwert.

Im November 2025 nahm ihn die Hockey Hall of Fame gleich im ersten Jahr auf, in dem er dafür infrage kam. In seiner Rede erinnerte sich Thornton an die Hockeyspiele mit seinen Brüdern im Keller in Ontario, an die Unterstützung der Bruins-Veteranen und an die ersten Stunden nach dem Transfer nach San Jose. Als er Tabea und ihren Kindern dankte, stockte ihm die Stimme.

Wenige Monate nach dieser Ehrung stand Thornton wieder hinter einer Bande. In Québec trug er weder das Trikot der Sharks noch jenes von Team Canada. Er war als Assistenztrainer der Davoser U13-Auswahl angereist. Während seine Nummer in San Jose längst unter dem Hallendach hing, half er in Kanada Spielern, die ihre ersten Erfahrungen an einem internationalen Nachwuchsturnier sammelten.

Warum Joe Thornton immer wieder nach Davos zurückkehrte

Als Joe Thornton 2004 beim HC Davos unterschrieb, war sein Aufenthalt an den NHL-Lockout gebunden. Bis zur Rückkehr nach Nordamerika gewann er den Spengler Cup und die Schweizer Meisterschaft. In Davos lernte er Tabea kennen. In den folgenden Jahren kam er auch in Sommern zurück, in denen er kein einziges Spiel für den HCD bestritt. Bei seinem dritten Gastspiel 2020 trat er mit einem Schweizer Pass an.

Am Spengler Cup wechselte seine Rolle im Lauf der Jahre. 2004 gewann er das Turnier mit dem HCD, 2012 spielte er für Davos im Final gegen Team Canada. Nach seiner NHL-Karriere stellte er das kanadische Aufgebot mit zusammen. Wenige Wochen nach dem Spengler Cup 2024 stand er wieder in einer HCD-Jacke an der Bande, diesmal bei einem Nachwuchsturnier in Québec.

Dort verwandelte der Davoser Junior Mirco Christoffel einen Penalty. Thornton hatte seine Kontakte genutzt, damit der HCD an diesem Turnier überhaupt antreten konnte. Den Penalty schoss Christoffel selbst. Als der Puck im Tor lag, klatschte Thornton an der Bande.

Quellen und weiterführende Informationen

Weitere Eishockeygeschichten aus Davos

In der Geschichte des HC Davos erfährst du, wie aus den Anfängen auf Natureis ein Schweizer Rekordmeister wurde. Das Porträt über Andres Ambühl erzählt die Geschichte eines Davoser Nachwuchsspielers, der 2005 mit Joe Thornton Schweizer Meister wurde und später WM-Rekorde aufstellte.

Du möchtest den HCD selbst erleben? Unser Stadionratgeber «HC Davos besuchen» hilft dir bei der Planung – vom Ticketkauf über die Anreise bis zum Besuch im Eisstadion.

Add comment

Comments

There are no comments yet.